Wer profitiert eigentlich von deiner Weiterentwicklung?

 

Der junge Mann, der mir gegenüber sitzt, hat nicht so viel Lust auf das Gespräch mit mir. Er rutscht auf dem Stuhl hin und her und schaut überall hin, nur nicht in meine Augen. Dennoch bleibt er tapfer und antwortet auf meine Fragen. Diese drehen sich darum, wie er die letzten Jahre so empfand und warum er jetzt Schluss macht. Er hat nämlich gekündigt, und ich bin diejenige, die kurz vor Ende seines Vertrages mit ihm spricht, um Informationen zu sammeln, damit wir unsere Mitarbeiter noch besser betreuen können. Wir nennen das „Abschlussgespräch“. Die Fragen, die ich stelle, sind bewusst offen gehalten, sodass die Leute erzählen können.

 

Es gibt einen Punkt, an dem der Mitarbeiter etwas emotional wird, nämlich als er darüber klagt, dass das Unternehmen nicht genug Geld für seine persönliche Entwicklung ausgegeben hätte. Ich frage ihn, was konkret er meint und er erklärt, dass er gerne auf einen Kongress gegangen wäre, aber man ihm das Ticket nicht bezahlte. Auf meine Frage, warum er denn nicht einfach hingegangen ist und selbst bezahlt hat antwortet er sichtlich irritiert: „Das ist doch viel zu teuer!“

 

Als ich ihn dann frage, ob der Preis für ihn denn ein anderer war als der, den wir als Unternehmen hätten bezahlen müssen, verneint er – und schaut auf einen Punkt hinter mir.

 

Eine Frage der Perspektive

 

Der junge Mann war eindeutig kein Neumacher in meinen Augen. Warum nicht? Weil viele von uns NeumacherInnen ganz selbstverständlich ihre Weiterbildungen selbst bezahlen Diese finden oft am Wochenende oder abends statt, oder wir nehmen Urlaub, damit wir teilnehmen können. Ganz abgesehen davon, dass wir uns selbstmotiviert und laufend weiterbilden, zum Beispiel durch Bücher, Blogs, Magazine, Meetups, Webinare, Online-Kurse und vieles mehr. Der junge Mann könnte sich daran doch ein Beispiel nehmen, oder?

 

Oder sollten lieber wir uns ein Beispiel an ihm nehmen?

 

Es ist lobenswert, wenn man sich selbst um seine Weiterbildung kümmert. Ja, es ist sogar unsere Pflicht, das zu tun. Genauso ist es aber auch unsere Pflicht, im Unternehmen darüber zu sprechen, was wir machen, um noch besser zu werden. Oft wissen das die „Entscheider“ nämlich gar nicht – und wenn sie es dann erfahren, sind sie häufig positiv überrascht und sehr wohl bereit, das zu honorieren.

 

Denn: Wer profitiert denn eigentlich davon, wenn du dich weiter entwickelst?

 

Klar, zunächst mal du selbst, weil du etwas Neues lernst. In dem Moment, in dem du dieses Gelernte dann einsetzt, wird dein Wissen und dein Können aber erst richtig wertvoll: Im Arbeitsleben profitieren die Kunden, deine Kollegen, deine Chefs und die Geschäftsführung (womöglich auch noch ein Investor und die Aktionäre in jedem Fall aber diejenigen, denen das Unternehmen gehört).

 

Das sind recht viele Leute, die von deinem Können und Wissen profitieren, gell?

 

Und weil die Waage nur dann ausgeglichen ist, wenn beide Waagschalen gleich voll sind, sollte auch an dich wieder etwas zurück fließen. Das muss nicht immer Geld sein, ist aber in der Wirtschaft das gängige Mittel, um Leistung mit einem Wert zu versehen. Außerdem: Wenn eine Leistung von außen „eingekauft“ wird, wird sie auch mit Geld bezahlt.

 

Also, selber zahlen ist nicht verboten. Und fragen, ob man etwas bezahlt bekommt, erst recht nicht!

 

Probiere es aus!

– ermutigt dich deine Kommplizin Gaby Feile

 

Über die Kommplizin:

Gaby Feile ist der Meinung, dass Können und Wissen viel wert sind. Sie unterstützt Neumacherinnen und Neumacher gerne dabei, ihren Wert offen zu kommunizieren und sorgt für einen Ausgleich der Waage.

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