Wie Google. Nur ohne Geld 🙂

 

Was ist multi-kulti?

 

Wenn ein Franzose, der in Spanien lebt, bei einer Konferenz in Kopenhagen/Dänemark einem internationalen Publikum auf Englisch von seinen wunderbaren Erfolgen erzählt – und du das jetzt auf Deutsch hier lesen kannst.

 

Florent Amion ist General Manager von Vygon España, das zum französischen Vygon-Konzern gehört. Das Unternehmen stellt Medizintechnik-Produkte her, so sexy Dinge wie Katheter zum Beispiel, und ist international tätig, auch in Deutschland.

 

Bei der Happiness-at-work-Konferenz im Mai 2018 erzählte er uns von „seinem“ optimistischen Unternehmen und was dieser Optimismus für weitreichende Folgen hat – für People + Planet + Profit.

 

Midlife Crisis

 

Alles begann 2014, als Florent sich in seinen 40gern fragte, ob das jetzt alles gewesen sei. Die Antwort war: nein, und so fing er an, sich selbst neu zu erfinden. Und er wollte, dass auch die Menschen um ihn herum neue Wege gehen. Inspiriert wurde er vom erfolgreichen Buch „Management by Missions“ von Pablo Cardona und Carlos Rey und von Martin Seligman, Pionier der positiven Psychologie.

 

Er wollte „sein“ Unternehmen zu einer optimistischen Organisation machen, in der Mitarbeiter genau so wichtig sind, wie Kunden und Aktionäre. Dem CEO in Paris erklärte er: „Bei uns in Spanien sind die Mitarbeiter genau so wichtig wie Sie!“ Der CEO hat wohl nicht richtig zugehört und war unter Zeitdruck, denn er nickte nur kurz und sagte so was wie: „Ja, ja, wenn du meinst.“ Er ließ ihn machen. Und Florent macht seither. Und wie!

 

Missionen statt Ziele

 

Er begann, die spanische Niederlassung, in der übrigens nur rund 50 Menschen arbeiten, zusammen mit seinem Team zu einem optimistischen und außerordentlich erfolgreichen Unternehmen zu machen. Während die Mitbewerber in Spanien von 2010 bis 2017 einen signifikanten Rückgang ihres Geschäfts um 22 % zu verzeichnen hatten, legte Vygon im selben Zeitraum um 27 % zu. Das erwähnte Florent übrigens ganz bescheiden nebenbei.

 

Viel euphorischer berichtete er davon, wie Vygon España allen Stakeholdern und besonders allen Menschen und der Umwelt positive Ergebnisse liefert. Basis für diesen Erfolg sind die Missionen, die nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die Abteilungen, für jede einzelne Person im Unternehmen, für die Aktionäre, die Kunden, die Gesellschaft und den Planeten formuliert und entwickelt wurden.

 

„Denn eine Mission“, so Florent „ist es, was Menschen wirklich motiviert.“ Eine Mission ist viel mehr als irgendwelche kurzfristigen Ziele, die sich hauptsächlich um Gewinne drehen und deren Erreichen nur für die Aktionäre bedeutsam sind, nicht aber für alle anderen Menschen und den Planeten. Eine Mission ist etwas, das größer ist als man selbst!

 

Vygon Espana

 

Eine wichtige Frage

 

Besonders beeindruckt hat mich diese Frage, die Florent uns in seinem Workshop stellte:

 

 Vygon Espana Wichtige Frage

 

Was würde passieren, wenn es euer Unternehmen nicht mehr gäbe?

 

Diese Frage immer wieder ehrlich zu beantworten, sollte zum Pflichtprogramm in jedem Unternehmen gehören. Denn wenn die Antworten lauten: „Dann macht es halt jemand anderes.“ Oder „Die Welt dreht sich weiter.“ Oder „Wir werden dann wohl alle woanders arbeiten.“ ist die Bedeutsamkeit des Unternehmens quasi gleich Null. Niemand wird ihm nachweinen.

 

Welchen Sinn hat es dann, das Unternehmen überhaupt weiter zu führen?

 

Ein „Kindergarten“ und die optimistischste Firmenzentrale der Welt

 

Vygon España hat ein Büro in einem „hässlichen, grauen Gewerbegebiet“ in Valencia. Das ist ein Ort, der bunten Optimismus brauchen kann. Also wurde das Gebäude zum Lieblingsplatz, der von weitem sichtbar ist und gute Stimmung ausstrahlt – außen wie innen.

 

„Das ist wie Google, nur ohne Geld“, witzelt Florent, und lädt alle ein, zu Besuch zu kommen. Etwas, was ich mir fest vorgenommen habe, auch weil Valencia immer eine Reise wert ist (und nicht so überlaufen wie Barcelona).

 

Vygon Espana Optimistic Headquarter

 

 

Im Mitarbeiterrestaurant kann man zuschauen, wie das Essen gekocht wird, am Thermometer der Emotionen kann man ablesen, wie es den Einzelnen geht, und im ganzen Gebäude fühlt man sich wie im Kindergarten – und darf spielen. Etwas, das wir als Erwachsene ja viel zu selten tun, obwohl nachgewiesen ist, dass Spielen die Kreativität fördert und zu ausgezeichneten Ergebnissen führen kann.

 

Optimistische Krankenhäuser gewinnen das Herz der spanischen Königin

 

Um auch an die Patienten zu denken, für die Vygons Produkte und Angebote ja da sind, rief Florent mit seinem Team 2015 die Optimistic Hospital Awards ins Leben. Krankenhäuser können sich bewerben und jeder kann mitmachen und für sie stimmen. Obwohl im ersten Jahr die Bewerbungen nur sehr schleppend kamen, wie sich Florent erinnert, war die Gala samt Preisverleihung ein großer Erfolg und wird seither jährlich wiederholt. In 4 Jahren gab es bereits 800 Bewerbungen, 100.000 Mitarbeiter von Krankenhäusern in Spanien waren repräsentiert und 100.000 Euro wurden gespendet.

 

Und damit nicht genug! Letizia, die Königin von Spanien, unterstützte 2017 die Preisverleihung als Ehrenmitglied des Komitees.

 

Ob sie auch eine grüne Nase, das Erkennungszeichen der Optimisten, trug, konnte ich bisher nicht herausfinden.

 

Vygon Espana Optimistische KH

 

 

Sind deutsche Krankenhäuer optimistisch?

 

„Im Jahr 2019 wird es den ersten internationalen Kongress geben“, verriet Florent. Und auch, dass es ein kleines Büchlein gibt für Krankenhäuser, die optimistisch sein oder werden wollen. Ich fragte ihn am Ende des Workshops, ob es das Büchlein auch in deutsch gibt. Er verneinte, und ich fand das sehr schade.

 

Weil ich so angezündet war von Florents Optimismus, habe ich ihm spontan versprochen, für ihn den Kontakt zu einem Netzwerk in Deutschland herzustellen: Women and Healthcare. Warum? Weil ich ein paar Tage vorher genau zu diesem Netzwerk eingeladen worden war und jetzt verstand, was der Grund dafür war. Florent versprach mir im Gegenzug, das Büchlein auf deutsch übersetzen zu lassen.

 

Ich habe mein Versprechen eingehalten, wie es sich für eine echte Kommplizin gehört! Und Florent ebenfalls: das Büchlein ist übersetzt und wird gerade finalisiert.

 

Jetzt heißt es: Daumen drücken, dass es bald die ersten optimistischen Krankenhäuser in Deutschland gibt!

 

Bist du mit mir optimistisch?

 

-fragt deine Kommplizin Gaby Feile

 

PS: Die liebevoll gezeichneten Karikaturen in Florents Präsentation und auf den Websites geben dir ganz bestimmt eine Ladung Optimismus.

 

Titelfoto: Gareth Garvey (Rechte vorbehalten)

Alle Folien: Florent Amion, VygonEspaña (Rechte vorbehalten)

 

Über die Kommplizin:

Gaby Feile ist eine Unternehmerin, die es ernst meint und etwas unternimmt. Und das heißt auch, positive Entwicklungen und Vorhaben von anderen zu unterstützen und über gute Beispiele und echte MacherInnen zu berichten.

Mehr über Gaby Feile

 

Über den Klub der Kommplizen:

So wie in der Nationalmannschaft, kommen im Klub der Kommplizen begabte Macherinnen & Macher aus verschiedenen Unternehmen zusammen. Ihre Mission: Unternehmen zu Lieblingsplätzen für alle zu machen.

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