Wie eine Start-up-Unternehmerin eine Institution zum Leuchten brachte

 

Zum Glück treffe ich mich mit Angela Lehmann nicht in Kalifornien, sondern in Bayern, das ist wesentlich entspannter. Denn: im Silicon Valley ist man immer „on a schedule“, das heißt, der Tag ist eng getaktet, und wenn man aufeinander trifft heißt es oft: I have 10 minutes. Let’s go!“

 

Angela kennt das aus eigener Erfahrung. Sie war nämlich fast ein Jahrzehnt Gründerin und Unternehmerin in San Francisco. Weil wir uns aber in Bayern treffen, nimmt sie sich Zeit – und das lohnt sich. Sie hat nämlich viel zu erzählen.

 

Der Wechsel

 

Auf das intensive Leben als Gründerin und Geschäftsführerin im Silicon Valley hatte Angela irgendwann keine Lust mehr. Gerade wurde ihr Sohn geboren – in Mountain View, zwischen Google und Facebook – und sie beschloss mit ihrem Mann, das Leben wieder in etwas ruhigere Bahnen zu lenken. 2008 verkaufte sie ihre Unternehmensanteile und die Familie zog in den Münchner Raum. Angela suchte einen 20-Stunden-Job „zum Ausruhen“. Gefunden hat sie ihn schließlich bei der IHK-Akademie. Als Marketingreferentin war ihre Aufgabe: Die regelmäßige Weiterbildungsmesse zu organisieren.

 

Der Unterschied zu ihren vorherigen Aufgaben hätte nicht krasser sein können: vom Silicon Valley zur IHK. Von der dynamischen „Was kostet die Welt-Umgebung“ zu einem Unternehmen, das sich wie eine Behörde darstellte.

 

„Dabei war die interne Kultur alles andere als behördenmäßig“, erinnert sich Angela. „Im Gegenteil: sie war recht positiv, aber nach außen wirkte das überhaupt nicht so.“

 

Die Veränderung

 

„So konnte das nicht bleiben!“ fand Angela und pfiff auf ihre Stellenbeschreibung. Die Digitalisierung steckte damals noch in den Kinderschuhen, es gab weder eine Facebook-Seite noch irgendeine Form von Online-Marketing. Also nahm Angela genau dieses Thema und brach es auf. „Das war die Initialzündung“, sagt Angela rückblickend.

 

Ihr Gründergeist war wieder erwacht und sie stellte sich und ihrem Vorgesetzen, dem Geschäftsführer, die Frage: „Wie kann ich mit wenig Zeit und wenig Ressourcen in einer statischen Umgebung etwas bewegen?“

 

Die Praxis

 

Angela aktivierte ihre Start-up-Mentalität, und die hat rein gar nichts mit Silodenken zu tun. „Man muss Ideen teilen und nach außen tragen“, entschied sie und machte klar: „Alle müssen an Bord!“

 

Also ging sie von Büro zu Büro und erzählte ihren Kollegen in den anderen Abteilungen, was sie vorhatte. Überall fragte sie: „Wer macht mit?“ Und überall fanden sich schnell Mitstreiter – sie rannte bildlich offene Türen ein.

 

„Es war, als ob alle nur darauf gewartet hatten, dass endlich jemand kam, der Veränderungen treibt“, schwärmt Angela noch heute. „Die Kollegen haben gemerkt, dass es ernst gemeint war und wollten schon lange, dass sich etwas ändert. Doch bisher waren sie eher frustriert, weil im Marketing nichts vorwärts ging.“

 

 Vom Silicon Valley zur IHK vorangehen

 

Das Geheimnis

 

Wie sie es geschafft hat, die Menschen zu begeistern, will ich natürlich von Angela wissen. Ihre Antwort ist deutlich: „Ich habe zu jedem Menschen eine Verbindung geschaffen und sie zu einem Teil der Idee gemacht. Alle wussten, worauf sie sich einließen, nämlich auf ein Miteinander und auf gemeinsames Spinnen von Ideen. Lösungsansätze boykottieren gab es nicht.“

 

„Um so etwas zu schaffen ist es wichtig, dass man auch mal die Klappe halten kann und zuhört!“ mahnt Angela. „Die Menschen haben viel zu sagen, sie brauchen nicht jemanden, der ihnen sagt, was zu tun ist. Das ist übrigens der große Unterschied zwischen der alten und der neuen Welt.“

 

All das kreierte eine immense Aufbruchsstimmung und alle Beteiligten standen voll hinter der neuen Art zu denken. Angela erinnert sich gerne an den Moment, als eine Mitarbeiterin sie in ihrem Büro besuchte und sagte. „Ich finde das richtig toll was wir hier machen. Es macht mich super stolz, ein Teil davon zu sein“.

 

Das Vertrauen

 

„Ohne den Freiraum und das Vertrauen von meinem Chef, wäre das Ganze nicht so leicht gewesen“, gibt Angela zu. Der Geschäftsführer gab ihr freie Hand und verschaffte ihr Zugang zu allen Entscheidungsträgern im Haus. „Manchmal hatte ich das Gefühl, dass ich einen Ball durch ein Quadrat pressen muss. Und das geht nur mit der Rückendeckung von Führungskräften und Mitarbeitern. Wichtig war es dabei die Führungskräfte frühzeitig von der Idee zu begeistern. Das war bei dem einen einfacher und bei dem anderen schwerer. Aber am Schluß standen alle hinter der Idee.“

 

Wie gut, dass sie schnell mit Ergebnissen aufwarten konnte: Es entstanden Facebook-Seiten und  Gruppen, die sich persönlich trafen, neue, flotte Bilder, die mit echten Menschen für die Weiterbildungskurse warben und die Website wurde hochmodern. Manches Motiv findet man wohl heute noch auf der Internetseite.

 

Die Lehren

 

Rückblickend zieht Angela folgendes Fazit:

  • Start-up-Denken ist transportierbar auf jede Organisationsform.
  • Jede/r Einzelne kann etwas beitragen – ohne auf den „Ritterschlag“ von oben zu warten.
  • Kleine Veränderungen kann man jeden Tag sofort integrieren.
  • Alleine wirst du es nicht schaffen, such dir Leute, die Bock haben, dich zu unterstützen.
  • Stelle sicher, dass deine Chefin / dein Chef hinter dir steht.

 

Vom Silicon Valley zur IHK leuchten

 

Das Resümee:

 

Angela Lehmann macht es deutlich: „Nach oben hin gilt es, Vertrauen zu schaffen. In die andere Richtung muss man Menschen von Herzen begeistern.“

 

Neumacherinnen und Neumacher, die mutig vorangehen, sind also ein wichtiges Bindeglied zwischen „oben und unten“.

 

Das klingt nach einer reizvollen Aufgabe

– meint deine Kommplizin Gaby Feile

 

PS: Mit dem Ausruhen war es übrigens für Angela schnell vorbei, wie du dir denken kannst.

 

Über Angela Lehmann:

Angelas Laufbahn ist außergewöhnlich und vielfältig. Ihren Job bei der IHK hat sie nach einigen Jahren verlassen und sich wieder der Start-up Szene zugewandt. Heute ist sie Gründerin der Speakerplattform www.talkfinder.de und macht als Speakerin Lust auf Veränderung. Als Co-Founder von www.Ideact.de vermittelt sie spielerisch Kompetenzen die wir für die digitale Transformation benötigen. 

Mehr über Angela Lehmann

 

Über die Kommplizin:

Gaby Feile hat die Aufgabe angenommen, NeumacherInnen aus verschiedenen Unternehmen zusammen zu bringen. Im Klub der Kommplizen treffen sich diese „Störenfriede“ und machen Unternehmen zu Lieblingsplätzen für alle.

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