Und das tun sie!

 

Wer neumacht hat es nicht leicht: man schwimmt gegen den Strom, ist alles, bloß nicht Mainstream und fällt aus dem Rahmen. Neumacher (w/m) können sich Dinge vorstellen, die bei anderen Herzrasen und Magenschmerzen verursachen. Und: sie können sie sogar realisieren. Spätestens dann haben auch die Zweifler was davon – nur Gutes!

 

Was NeumacherInnen nicht tun, ist, in bestehenden Systemen zu denken. Also das, was viele PolitikerInnen tagtäglich tun. Statt sich über ein besseres Rentensystem Gedanken zu machen, wird einfach am alten System rumgeschraubt. Was rauskommt ist meist Mist – aber es wird gerne als bahnbrechende Idee verkauft.

 

In Unternehmen gibt es das auch. Statt Dinge grundsätzlich in Frage zu stellen und vielleicht sogar Altbackenes abzuschaffen, werden oft noch mehr Werkzeuge, Methoden und Menschen eingesetzt, die dazu dienen, das System zu erhalten.

 

Ein Beispiel:

 

Ein Mitarbeiter kommt zu seiner Vorgesetzten und berichtet von seinem Arztbesuch. Seine häufigen Rückenschmerzen kommen wohl daher, dass er so viel sitzt bei der Arbeit.

Die meisten Chefs werden wohl Folgendes tun:

Entweder sie sagen, der Mitarbeiter kann sich selbst um einen neuen Stuhl kümmern oder sie sind großzügig und schaffen einen ergonomischen Stuhl und vielleicht sogar ein Stehpult an.

Was tun NeumacherInnen?

Sie wissen, dass Rückenschmerzen vielerlei Ursachen haben können und dass eine einseitige Haltung nicht sehr förderlich für den Weggang der Schmerzen ist. Sie sprechen also mit dem Mitarbeiter, um festzustellen, wie genau sein Arbeitsalltag aussieht. Gemeinsam finden sie heraus, dass es viele Möglichkeiten gibt, die Arbeitshaltung abwechslungsreicher zu machen, denn es ist das viele Sitzen, das so schädlich ist, nicht der Stuhl.

Im Idealfall findet der Mitarbeiter selbst Wege, wie er häufiger aufsteht und sich mehr bewegt. Er kann zum Beispiel immer im Stehen telefonieren, er kann den Drucker so platzieren, dass er jedes Mal aufstehen muss, um die Blätter zu holen und er kann, statt ein Chatprogramm zu nutzen, zu seinen Kollegen hingehen, um mit ihnen zu sprechen. Das hat auch den Vorteil, dass die Kommunikation besser und direkter wird.

Noch einen Schritt weiter geht man, wenn man sich fragt, ob die Aufgaben des Mitarbeiters ausschließlich am Schreibtisch zu erledigen sind, oder ob manches auch anders geht. Braucht man wirklich alles als Word-Dokument oder Excel-Tabelle oder könnte man auch Skizzen zeichnen z.B. auf beschreibbare Wände. Womöglich kann man bestimmte Tätigkeiten, die man automatisch mit der Tastatur und der Maus erledigt, komplett weglassen?

 

Alle gewinnen

 

Da es vermutlich viele Mitarbeiter gibt, die ein ähnliches Problem haben, kann man als Unternehmen überlegen, wie man mehr Bewegung in den Alltag einbaut: zum Beispiel kann man Meetings im Stehen machen und man kann die Leute (unterhaltsam) ermuntern, die Treppen zu nehmen, statt den Aufzug. Bei Feinkost Käfer in München steht zum Beispiel auf jeder Stufe zur Kantine die gesammelte Zahl der Kalorien, die man verbrennt, wenn man zu Fuß hochgeht.

Und warum muss man eigentlich in der Kantine oder in den Pausenräumen auch noch sitzen, wenn man eh schon den ganzen Tag auf einem Stuhl verbringt? Stehtische können auch hier gute Dienste leisten. Wenn der Weg zur Kantine mit Bewegung verbunden ist, hilft das ebenfalls. Dasselbe gilt für den Weg vom Parkplatz zum Arbeitsplatz. Bei VAUDE sind die Parkplätze absichtlich recht weit weg vom Eingang.

Natürlich kann man darüber hinaus noch Gymnastikstunden anbieten oder Sportgeräte und auch ergonomische Arbeitsplätze schaden nicht. Und: man kann mit Mitarbeitern, die von Rückenschmerzen betroffen sind, Gespräche führen, um herauszufinden, ob es andere Gründe für die Schmerzen gibt. Ein großer Teil der Rückenbeschwerden hat nämlich psychische Ursachen. Eventuell ist die Arbeitsbelastung zu groß oder die Stimmung im Team ist schlecht. Womöglich sind es auch private Themen, die der Grund für die Anspannung sind.

All das sind jedenfalls Ansätze, die NeumacherInnen auf den Tisch bringen – statt den bequemen Weg zu gehen und einen neuen Stuhl zu kaufen.

 

Und das machen Neumacher sonst noch:

 

Birgit, die seit über 10 Jahren ein Hotel managt und dieses sogar vor der Insolvenz gerettet hat, hat einen Weg gefunden, wie man 6-Stunden-Arbeitstage für alle einführt – ohne Gehaltsverzicht.

 

Die Personalerin Annette nutzt in ihrem konservativen Umfeld sehr moderne Online-Marketing-Methoden um neue Mitarbeiter zu finden und kann sich eine Zukunft vorstellen, in der Unternehmen der Region kooperieren und gemeinsam ihre Mitarbeiter weiterentwickeln und voranbringen.

 

Jürgen, ein Teamleiter, will seinen Mitarbeitern die Möglichkeit geben, ihre Stärken und Fähigkeiten einzusetzen, statt viele Tätigkeiten zu machen, die andere besser können. Für Kunden und für die Kollegen ist das ein großer Vorteil, da Spezialisten meist motivierter sind und viel lieber und besser arbeiten.

 

Die Assistentin Miriam ist schnell unterfordert und macht den Job des Chefs besser als er selbst. Sie sucht sich deshalb ihre eigenen Projekte und entwickelt einen Workshop zum Thema Kundenkommunikation, den sie intern anbietet und abhält.

 

Der Marketingmanager Thomas initiiert selbständig einen Workshop für das Management, um die Positionierung des Unternehmens klar herauszuarbeiten und zu festigen. Weil er weiß, dass dies Mitarbeitern und Kunden zugute kommt.

 

Nicht immer ist es einfach!

 

Wer jetzt denkt: das sind ja alles Dinge, die mir auch einfallen könnten, hat Recht. Jede/r hat die Möglichkeit, am Arbeitsplatz etwas zum Besseren verändern. Aber nur Wenige tun es auch. Denn Machen bedeutet Risiko. Solange man nur darüber nachdenkt, passiert ja nichts. Und das ist genau der Punkt: es passiert nichts, denn denken alleine ist unfruchtbar.

 

Wenn du dich traust, Dinge auszuprobieren, Experimente zu starten und die Verantwortung dafür zu übernehmen, bist du ein echter Neumacher / eine echte Neumacherin!

 

Verbündete + Freiraum + Vertrauen + Zeit

 

Noch besser geht das übrigens, wenn man Verbündete hat, die wollen, dass man erfolgreich ist. Dann entstehen Dinge, die man sich nicht mal im Traum vorstellen konnte.

„Ich möchte gerne Menschen finden, die mich nicht blöd anschauen, wenn ich von meinen Ideen und Vorhaben berichte“, sagt zum Beispiel Birgit.

„Alleine etwas umzusetzen ist sehr anstrengend und kann frustrierend sein!“ meint Thomas.

„Mir fehlt oft die Zeit, mich intensiv mit einem Projekt zu beschäftigen. Wenn ich mal einen Tag in Ruhe daran arbeiten könnte, käme ich besser vorwärts“, wünscht sich Jürgen.

 

Da kann man doch regelrecht entzückt sein, wenn man den Klub der Kommplizen entdeckt, oder?

 

– fragt deine Kommplizin Gaby Feile

 

PS: Wenn NeumacherInnen kündigen, kann das dramatische Folgen haben.

 

Foto: gratisography.com

 

Über die Kommplizin:

Gaby Feile liebt es, wenn Experimente funktionieren. Sie hat schon einige ausprobiert und sagt: nur wer es versucht hat, kann mitreden!

Mehr über ihre Experimente

 

Kommplizen-Box für dich

 

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