Wie findet dich dein Zweck der Existenz?

 

Auch wenn dir das manche erzählen: deine Lebensaufgabe (oder dein ZDE) wird nicht unbedingt durch ein Seminar oder das Lesen eines Buches zu dir kommen. Es sei denn, beides geschieht zu einem Zeitpunkt, bis zu dem du schon sehr offen durchs Leben gegangen bist. Dann kann ein einziger Satz, den du beim Lesen oder auf dem Seminar hörst, dir Erleuchtung bringen. Alle Puzzleteile fallen plötzlich an ihren Platz: dann weißt du, wofür du da bist.

 

Hast du also das dringende Bedürfnis, ein bestimmtes Buch zu lesen – oder kommt es scheinbar „zufällig“ zu dir, dann lies es. Auch ein Kurs kann stimmig sein, jedoch nur, wenn die Veranstalter:innen dir keine falschen Versprechungen machen.

 

Der richtige Zeitpunkt für deine Ent-Faltung

 

Bei vielen von uns passiert die „Heimsuchung“ unserer Lebensaufgabe übrigens nicht wie bei Mozart in der Kindheit. Die Pubertät hingegen ist eine Zeit, in der wir unserem ZDE oft sehr nahe kommen. Weil wir zu dieser Zeit aber lieber dazu gehören wollen, überhören wir den Ruf und tun lieber das, was unsere Freunde tun oder was unsere Eltern wollen. Es lohnt sich also, wenn du gedanklich in die Pubertät zurück reist und dir vor Augen hältst, was du damals am liebsten gemacht hast oder tun wolltest.

 

Eine gute Zeit, um seinen ZDE oder seine Lebensaufgabe zu erkennen, ist die „Krise in der Mitte des Lebens“. Diese beginnt bei vielen um den 40. Geburtstag herum. Nicht jede:r kauft einen Porsche. Manche schliddern in ein Burn-Out, erleiden einen herben Jobverlust, werden ernsthaft krank oder müssen das Ende einer Ehe akzeptieren.

 

Doch auch in späteren Jahren lässt sich die Lebensaufgabe noch finden und sogar erfüllen. Die so genannten Wechsel-Jahre, die übrigens nicht nur Frauen durchmachen, der Eintritt ins Rentenalter oder wenn ein:e Partner:in stirbt sind solche Zeitpunkte.

 

Eine komplette Wandlung der Welt, wie sie die Corona-Zeit im Jahr 2020 anstieß, ist ein weiterer Wendepunkt, der die Tür zu deiner Bestimmung öffnen kann – und hier spielt dein Alter nicht wirklich eine Rolle.

 

Was auch immer den Ausschlag gibt, sei mutig und vertraue darauf, dass es genau richtig für dich ist.

 

Plötzlich ist sie da: deine Lebensaufgabe

 

Und dann, wie von Zauberhand, wirst du irgendwann wissen, was dein Zweck der Existenz ist. Oder dein Purpose, wenn du ihn lieber so nennst. Vielleicht dauert das nur eine Woche, vielleicht mehrere Monate, ein Jahr oder auch länger. Das ist egal. Lass es laufen und sei offen für alles, was in dieser Zeit passiert. Denn eines ist sicher: du wirst dich auf der Reise selbst viel besser kennen lernen und wirst Freude daran haben. Dir wird es immer besser gehen.

 

Deinen persönlichen Zweck leben

 

Unser Wirtschaftssystem ist leider so gebaut, dass die meisten von uns sofort an einen Job denken, wenn es um die Erfüllung unserer Lebensaufgabe geht. Wie ich in Teil 2 dieser Trilogie (falls du diesen verpasst hast, kannst du ihn unten bestellen) schon schrieb, kommt niemand von uns mit einem Etikett zur Welt auf dem steht: ich bin Beamter/Beamtin. Oder: ich werde Gärtner:in. Oder: Mein Beruf ist Psycholog:in.

 

Lebensaufgabe und ZDE

 

Erst einmal müssen wir nichts WERDEN im Leben. Wir SIND schon etwas im Moment unserer Geburt. Alles, was wir für unser Leben brauchen, ist in uns selbst. Leider passiert den meisten von uns dasselbe: wir lernen, dass wir „falsch“ sind, wir sollen uns anpassen, brav sein, den Eltern keine Schande machen und es besser haben als sie. Uns wird „vorgeschrieben“, dass wir das Lebenswerk von Vater oder Mutter weiterführen, oder das Leben leben, das den Eltern verwehrt geblieben ist. All das passiert oft unbewusst, und wir fügen uns, weil alles andere zu anstrengend ist.

 

Bis irgendwann etwas passiert, was uns aus der Bahn wirft. Und das ist dann noch viel, viel anstrengender.

 

Beispiele für Lebensaufgaben

 

Deine Lebensaufgabe (oder dein Purpose) findet dich, wie schon erwähnt. Du wählst sie dir nicht aus, weil du es cool findest, und du dir einen Traum erfüllen willst. Nicht immer ist die Aufgabe auf den ersten Blick attraktiv. Sehr oft erleben Menschen, dass sie sich ihr Leben lang dagegen sträuben, ihre Bestimmung zu leben. Das ist übrigens ein Zeichen dafür, dass dies wahrscheinlich genau das ist, was dir bestimmt ist. Nur: du erlaubst es dir nicht, weil du anders konditioniert wurdest.

 

Bei mir persönlich war es so, dass ich schon als Mädchen sehr viel gewusst und gesagt habe und ergo mitdiskutiert habe mit den „Großen“. Von den Erwachsenen hörte ich immer wieder: „Sei ruhig.“ Sie haben mir den Mund verboten. Dieses wiederholte Erlebnis hat sich so tief bei mir festgesetzt, dass ich Jahrzehnte gebraucht habe, es wieder loszuwerden. Mehr dazu erzähle ich übrigens in meinem Buch.

 

Lebensaufgaben sind sehr individuell, sie sind aber meist übergreifend, das heißt, das Erfüllen kann über verschiedene Wege erfolgen.

 

Ein Beispiel:

 

Jemand hat die Lebensaufgabe, sich für Menschen in Notlagen einzusetzen. So jemand kann als Sozialarbeiter:in tätig werden, Seelsorger:in sein, im Krankenhaus arbeiten, in die Entwicklungshilfe gehen, Polizist:in sein oder eine Stiftung gründen oder führen, die in Afghanistan Minenopfer betreut.

 

Dieser Mensch kann genauso gut einen Verwaltungsjob im Rathaus machen und sich ehrenamtlich um Flüchtlinge kümmern. Er kann sich in Trauerhilfe ausbilden lassen und Sterbende auf ihrem letzten Weg begleiten – in der Freizeit. Die Person kann sich um alte oder kranke Nachbarn kümmern oder eine Website betreiben für psychisch labile Menschen. Oder sie kann als Banker:in Kredite an Bedürftige vergeben.

 

Bestimmt fallen dir noch viele weitere Beispiele ein, die zu diesem ZDE passen. Die Gestaltung deines Lebens bleibt also völlig dir selbst überlassen. Du allein bist dafür verantwortlich, alles miteinander zu kombinieren.

 

Die gute Nachricht

 

Solange du deiner Bestimmung folgst, wird dein Leben er-folg-reich sein. Und: die Angst, die dich ohne diese Aufgabe vielleicht ständig begleitet hat, wird sehr wahrscheinlich geringer.

 

Denn du weißt, dass du die wichtigste Aufgabe in deinem Leben erfüllst: du selbst zu sein.

 

„Du kannst nicht daran scheitern, du selbst zu sein.“ (Wayne Dyer, US-amerikanischer Psychologe)

 

 

ZDE Theaterstück

 

Stell dir das Leben wie ein großes Theaterstück vor, in dem jeder Mensch, auch du, eine ganz bestimmte Rolle spielt. Nämlich die, die dir ganz buchstäblich in die Wiege gelegt wird. Dann ist es nicht nur dein Recht, sondern sogar deine Pflicht, diese Rolle bestmöglich zu spielen, damit das gesamte Theaterstück ein Erfolg wird. Wenn jemand den Text nicht kann oder den Einsatz verpasst, ist das für alle anderen ein Misserfolg. Spielen aber alle aus ganzem Herzen die ihnen zugedachte Rolle, wird das Stück ein großer Erfolg.

 

Das heißt: Wir alle haben einen gemeinsamen Zweck der Existenz:

 

Wir selbst zu sein – ganz wahrhaftig!

 

Lass es uns tun!

 

Deine Gabriele Feile

 

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