Wie aus einem Versprechen eine Präsentation im UN-Hauptquartier in New York wurde

 

Bei QualityMinds war ich schon mal zu Gast und hinterließ eine peinliche Erinnerung – einen Kaffeefleck an der Wand! Dieser wird bald niemanden mehr interessieren, denn bald werden die Minds, wie sie sich nennen, ein größeres Büro beziehen. Das ist dringend nötig, wie mir Vera Gehlen-Baum erzählt, während sie mir optimistisch einen Kaffee macht. Das Unternehmen wächst nämlich stetig.

 

Organisation ist alles

 

Vera ist Team Lead QualityLearning, als studierte und promovierte Pädagogin ein idealer Job für sie. Dabei macht sie sogar drei verschiedene Jobs, die sie sich tageweise ganz praktisch aufteilt:

2 Tage Product Owner

1 Tag Scrum Master

und 2 Tage macht sie alles, was die Außenwirkung betrifft: Mitarbeiter führen, finden, weiterbilden, Vorträge halten, Interviews geben, Veranstaltungen organisieren etc.

 

Wie sie das schafft, will ich natürlich von Vera wissen. Durch ganz klare Organisation, ist die Antwort. Jeder weiß genau, wann sie gerade welchen Hut aufhat und ihren Kalender organisiert sie entsprechend. Ich nehme ihr das voll und ganz ab.

 

Comic-Helden wie im echten Leben

 

Vielleicht ist sie ja das Vorbild für die Comic-Heldin Lea, die sie mir stolz präsentiert. Lea ist der QualityLearning Hero. Sie wurde, zusammen mit 4 anderen Helden speziell für QualityMinds entwickelt und ist eine „echte Frau“. So sieht sie aus:

 

Quality Learning Heldin Lea

 

Die Helden repräsentieren jeweils ein Team und erzählen Geschichten aus der Welt der QualityMinds.

 

Was genau ist nun Quality Learning?

 

Vera erzählt mir, dass sie schon in ihrem Vorstellungsgespräch vesprochen hat, das Learning im damals noch jungen Unternehmen zu entwickeln, und zwar mit agilen Methoden. Das hat scheinbar so viel Eindruck hinterlassen, dass sie den Job bekam. Und Vera hielt Wort.

 

Sie begann damit, dass sie so genannte E-Portfolios entwickelte, das waren Zielgespräche mit allen Kollegen. „Die zentrale Frage in allen Gesprächen lautete: Wohin willst du?“, erklärt mir Vera. Basierend auf den Antworten wurden dann Wege für jeden einzelnen entwickelt, um das Ziel zu erreichen.

 

Statt also zu fragen, was braucht das Unternehmen, ging es darum, ganz genau herauszufinden, was die Menschen brauchten. Erst wenn klar war, welche „Lücken“ gefüllt werden sollten, wurde überlegt, wie man vorgeht. Die Informationen wurden in einer Plattform online festgehalten, die sich seither stetig weiter entwickelte und jetzt in der Lage ist, individuelle Lernwege auszuarbeiten.

 

„Als ich mit der Arbeit  begann, hatten die Geschäftsführer und ich das Ziel, das Thema 2019 an den Markt zu bringen – als Consulting-Leistung für Unternehmen und als Online-Plattform“, erinnert sich Vera.

 

Doch es kam, wie so oft, alles anders. Letztes Jahr, also 2017, wollte ein Kunde sofort die Unterstützung der QualityMinds. Und damit begann das QualityLearning Team auf sieben „bezaubernde Mitarbeiter“ zu wachsen.

 

„Wir entwickeln für unseren Kunden ganzheitliche Lernmethoden und zwar zu 100 % agil. Dabei analysieren wir zunächst höchst wissenschaftlich die Situation, entwickeln dann gemeinsam mit unserem Kunden eine Vision für den Bereich Learning und setzen alles interaktiv um“, fasst Vera zusammen.

 

Jeder braucht was anderes

 

Wenn Menschen etwas Neues lernen, fangen sie an unterschiedlichen Stellen damit an – je nach Vorwissen. „Es ist wichtig, das Vorwissen gleichermaßen zu verteilen“, darauf weist Vera ausdrücklich hin. „Nur dann spüren Menschen einen Lernerfolg und dieser dauert an.“ Das ist also die Erklärung dafür, warum so viele Schulungen eher Frust als Lust auslösen.

 

Ein Beispiel:

 

Einige Kollegen wollten gerne lernen, wie man Flipcharts visualisiert.

 

Wir vertrauen unseren Kollegen, dass sie wissen, was sie lernen wollen“, stellt Vera klar. „Dennoch ist es oft so, dass sie zwar eine Vorstellung davon haben, aber ihnen nicht wirklich bewusst ist, was sie konkret wollen und brauchen.Wir fragen also ganz genau nach, und im Falle des Visualisierungsthemas gingen wir ganz praktisch vor. Wir ließen alle Interessierten etwas malen und zeigten das einer Kollegin, die sich damit auskennt.“

 

Sie war so in der Lage, einzuschätzen, wer welche Vorkenntnisse hat. Entsprechend entwickelte sie einen Kurs, bei dem es verschiedene Einstiegszeitpunkte gibt. So können alle dann beginnen, wenn ihr persönliches Niveau erreicht ist. „Ab diesem Zeitpunkt lernen sie dann wirklich was Neues. Und am Schluss haben alle für sich persönlich das Meiste herausgeholt!“ freut sich Vera.

 

Gerechtes Lernen statt das Gleiche lernen

 

Veras Herzensthema ist Bildungsgerechtigkeit. Sie erläutert: „In den meisten Ländern wird Bildungsgerechtigkeit so gesehen, dass alle die Chance haben, dieselben Dinge zu lernen, um keine Unterschiede zwischen den Schülern zu erzeugen. Es geht also eher um Gleichheit, nicht um Gerechtigkeit.“

 

Die Ergebnisse dieses Systems sind stark spürbar und messbar. Weil nicht alle Schüler dieselben Voraussetzungen haben, brauchen viele zusätzliche Unterstützung, zum Beispiel in Form von Nachhilfe. Andere langweilen sich vielleicht.

 

Vera fährt fort: „Echte Bildungsgerechtigkeit entsteht, wenn Schüler das lernen, was sie brauchen, nicht nur das, was sie wollen. Deshalb haben wir QualityLearning entwickelt, eine Plattform, die Lernende dabei unterstützt, genau das Passende zu lernen, um ihr Ziel zu erreichen.“

 

>Mehr zu diesem Thema gibt es im Blog von QualityMinds (in Englisch)

 

Warum das der UNO gefällt

 

Vor einigen Monaten gab es über den Diplomatic Council, mit dem QualityMinds verbunden ist, die Chance, an einer Ausschreibung der UNO teilzunehmen. Diese Chance nutzte das QualityLearning Team. Hunderte Vorschläge wurden eingereicht, und nur 4 davon wurden ausgewählt. Und Veras Thema „QualityLearning“ war dabei.

 

„Die harte Arbeit hatte sich gelohnt“, erinnert sich Vera, „denn wie so oft bei solchen Ausschreibungen sind die Fristen sehr knapp bemessen und meine Kollegin und ich mussten uns richtig ranhalten.“

 

Vera flog also mit ihrer Kollegin und einem der Geschäftsführer nach New York und präsentierte ihr Konzept vor Vertretern internationaler NGOs. 20 Minuten lang stellte Vera ihr Thema vor – anschließend beantwortete sie Fragen, die zeigten, dass das Publikum sehr interessiert war. „Wir hatten nur mit 15 Zuschauern gerechnet, aber das Interesse war größer als gedacht, sodass 50 Personen da waren und wir insgesamt 90 Minuten miteinander verbrachten“, fügt Vera hinzu.

 

Quality Learning UNO

Foto: Robert Fleming

 

Veras Fazit: „Es ist durchaus denkbar, unser System QualityLearning in weniger entwickelten Ländern einzusetzen, zum Beispiel um Hygienethemen spezifisch an Familien weiterzugeben.“ Sie plant übrigens, ihr Thema demnächst bei der UN in Genf vorzustellen.

 

Was soll schon passieren?

 

Vera ist eine Macherin, das spürt man bei jedem Kontakt mit ihr. Sie kennt ihr Handwerk und lernt gerne dazu. Als ich sie frage, was sie anderen Neumachern rät, wenn sie etwas Neues umsetzen wollen, sagt sie ganz klar: „Mach es einfach! Was soll schon passieren? Sehr wahrscheinlich wird niemand sterben!“

 

Immer, wenn ich am Zweifeln bin, frage ich mich seither: „Wird jemand dabei sterben?“ Wenn die Antwort darauf Nein ist, kann ich es einfach machen – ohne Ausrede.

 

Vielen Dank, Vera, dass ich das von dir lernen durfte.

 

Deine Kommplizin Gaby Feile

Andere Fotos: Gaby Feile

Über Vera Gehlen-Baum:

Vera hat sich ganz dem Lernen verschrieben – eine gute Voraussetzung für agile Projekte. Sie kombiniert ihr großes Wissen zum Thema Lernen mit ihrer Gabe, andere zu begeistern und hört nicht auf, selbst viel dazu zu lernen.

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Über QualityMinds:

QualityMinds berät Unternehmen rund um das Thema Qualitätssicherung im Software-Engineering und bringt Software-Projekte, im steten Austausch mit den Kunden, in Quality & Time erfolgreich zum Abschluss. „Qualität ist kein Zufall“ heißt dabei das Motto.

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Über die Kommplizin:

Gaby Feile hat die Aufgabe angenommen, NeumacherInnen aus verschiedenen Unternehmen zusammen zu bringen. Im Klub der Kommplizen treffen sich diese „Störenfriede“ und machen Unternehmen zu Lieblingsplätzen für alle.

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