Passt dein Zweck der Existenz zu dem, was du täglich tust?

 

Anders gefragt: kannst du deinen Purpose dort, wo du arbeitest, erfüllen?

 

In seinem Buch „The Big Five For Life“ erzählt John Strelecky vom Unternehmer Thomas Derale. Er ist ein Freund von Mike, dem das Café am Rande der Welt im gleichnamigen Buch gehört. Darüber hast du vielleicht in Teil 1 der ZDE-Trilogie schon gelesen. Falls nicht, hole das am Ende dieses Textes nach.

 

Mike ist überzeugt davon, dass jeder Mensch einen Zweck der Existenz (ZDE) hat, dass es also einen Grund gibt, warum er oder sie auf der Welt ist.

 

Thomas Derale ist vom Konzept des Zwecks der Existenz so angetan, dass er es auf seine Unternehmen anwendet. Jedes Unternehmen, so erklärt er, hat einen Zweck der Existenz (oder Purpose). Das ist der Grund, warum das Unternehmen existiert. Und das gilt übrigens auch, wenn dieser Zweck nicht deutlich formuliert ist.

 

Als er das erkannte, gründete er ein Unternehmen, dessen Zweck auf seinen persönlichen ZDE abgestimmt war. Damit erschuf er die Möglichkeit, sich jeden Tag mit den Dingen zu befassen, die für ihn und seinen ZDE relevant sind. Für Thomas Derale, der schon vorher beruflich sehr erfolgreich war, war es logisch, dass er noch erfolgreicher sein wird, wenn sein ZDE in Harmonie mit dem Unternehmens-ZDE ist.

 

Den Kreis erweitern

 

Doch damit nicht genug. Thomas wollte mit Menschen in seinem Unternehmen arbeiten, deren ZDE ebenfalls mit dem des Unternehmens harmoniert. So schuf er eine Gemeinschaft von Menschen, die als Reisegefährten für ein großes Ziel arbeiten.

 

Die tägliche Erfüllung der Menschen kommt daher, dass sie nur Dinge tun, die ihrem Zweck der Existenz entsprechen. Allerdings gibt es einen Haken: das funktioniert unternehmerisch nur, wenn das Unternehmen Gewinn macht. Denn ansonsten können die Menschen nicht entlohnt werden und dann müssen sie, trotz aller persönlicher Erfüllung, das Unternehmen früher oder später verlassen.

 

Wie findest du nun ein Unternehmen, das mit deinem ZDE harmoniert?

 

Diese Frage stellen sich viele Menschen, die das Buch „The Big Five For Life“ gelesen haben. Und auch viele Menschen, die den Klub der Kommplizen finden. Es ist nicht so leicht, wie es sich anhört, einen „Arbeitgeber“ zu finden, dessen Purpose zu deinem passt. Viele Unternehmen veröffentlichen ihren eigenen ZDE oder Purpose gar nicht. Sie wurden zwar aus einem bestimmten Zweck gegründet, aber dieser ist entweder so offensichtlich, dass man nicht darüber spricht. Oder er ist so un-offensichtlich, dass ihn keiner kennt.

 

Kein Sex-Appeal

 

Weil Unternehmen in der Regel aus wirtschaftlichen Gründen oder zur Befriedigung von Bedürfnissen des Marktes gegründet werden, ist der Zweck von Unternehmen meist nicht so sexy.

 

Hier ein paar Beispiele:

 

Eine Bank ist dafür da, ihren Kunden Kredite zu geben, die sie mit den Einlagen von anderen Kunden finanzieren.

Ein Kaufhaus hat den Zweck, Kunden mit Waren des täglichen Bedarfs zu versorgen.

Ein Stromanbieter wurde gegründet, um Kunden Energie/Elektrizität zu liefern.

Ein Verkehrsunternehmen transportiert Waren und Menschen von A nach B.

Ein Hotel dient als Herberge für Reisende.

Ein Restaurant befriedigt die Grundbedürfnisse seiner Gäste: Essen und Trinken.

Eine Werbeagentur hilft ihren Kunden dabei, ihren Produktabsatz zu sichern.

Ein Autohersteller will Menschen individuelle Mobilität ermöglichen.

Ein Büromöbelhersteller richtet Arbeitsplätze ein.

 

Wenn du diese ZDEs liest, passen diese in irgendeiner Form zu deinem persönlichen ZDE, falls du ihn schon entdeckt hast? Und falls nicht: Schlägt bei einem dieser Sätze dein Herz schneller, weil du unbedingt dabei sein willst?

 

Lass mich raten: vermutlich eher nicht!

 

Ich wage zu sagen, dass niemand mit der Aufgabe auf die Welt kommt, Strom herzustellen und diesen Kunden zu liefern. Oder Kredite zu vergeben oder den Absatz von irgendwelchen Produkten zu erhöhen.

 

Auch kommt niemand deshalb auf die Welt, um Human Resources Manager, Softwareentwickler:in oder Zugbegleiter:in zu sein. Genauso wenig werden wir als Universitätsprofessor:in, Friseur:in oder Bauzeichner:in geboren.

 

ZDE Platz zum Jubeln

 

Wofür kommen Menschen dann zur Welt?

 

Der Zweck der Existenz oder Purpose ist ganz individuell für jeden Menschen. Er ergibt sich automatisch aus all den Gaben, die du mitbekommen hast und mit denen du schon zur Welt gekommen bist. Der deutsche Begriff Aufgabe geht auf das mittelhochdeutsche Wort gâbe zurück. Das bezeichnet eine Eigenschaft, mit der jemand ausgestattet ist, also eine „Begabung“ oder das „Talent“, das jemand für sein Leben mitbekommen hat.

 

Manche sagen auch Calling oder Berufung oder Mission oder Auftrag oder Bestimmung dazu. Mir gefällt Lebensaufgabe ganz gut, so nennt es Jean Monbourquette in seinem Buch „Finde deinen Platz im Leben. Der inneren Bestimmung folgen“.

 

Du wählst deinen ZDE nicht selbst aus – er wählt dich

 

Es ist also fast unmöglich, dir einfach eine Lebens-Überschrift auszudenken, die dir passt, weil du vielleicht schon immer Flugbegleiter:in werden wolltest. Oder dir ein wunderbares Lebensziel zu setzen, das heißt: glücklich sein oder reich sein oder in Amerika leben. Diese Dinge sind allenfalls Teil deiner Big Five For Life, aber sie sind nicht der Grund, warum du auf die Welt gekommen bist. Also das, womit du Spuren hinterlassen sollst. Das ist klar, oder?

 

So einfach wie Thomas Derale das im Buch erzählt ist es in Wirklichkeit leider nicht. Und vermutlich ist dir auch klar, dass John Strelecky sich diesen beispielhaften Unternehmer ausgedacht hat. Das heißt nicht, dass es ihn (oder sie) nicht gibt. Vermutlich gibt es Menschen, deren ZDE es ist, genau so ein Unternehmen zu führen, wie Thomas Derale welche führte.

 

Trotz der tollen Bücher von Strelecky und passenden Seminaren klafft also leider noch eine große Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Meine Beobachtung ist, dass Menschen nach einem Arbeitsplatz suchen, der sich gut anfühlt. Oft sprechen sie von „Kultur“ oder nennen Methoden wie Agilität oder Selbstorganisation als Bedingung. Oder sie stellen sich vor, in einem demokratischen Unternehmen glücklich zu werden.

 

Ich sage es deutlich: das funktioniert leider nicht. Es funktioniert nur andersherum: du erkennst deinen Zweck der Existenz, also deine Bestimmung – und dann entdeckst du, wie du deine Lebensaufgabe am besten erfüllst. Das kann in einem Unternehmen sein, aber das ist nicht der einzige Weg.

 

In Teil 3 der Trilogie zum Zweck der Existenz erfährst du, wie du deinen ZDE erkennst, wenn er dich findet.

 

Am besten holst du dir alle 3 Teile: trage dich dazu hier ein.

 

Und, war das inspirierend für dich? Dann habe ich meinen ZDE erfüllt.

 

Deine Gabriele Feile

 

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