Foto: Gabriele Feile

Was „Neue Arbeit – Neue Kultur“ tatsächlich bedeutet

 

Von Kaufbeuren nach Kuba

 

Mit Andy Mayer treffen wir uns in einem Café in München. Dabei wäre ein Biergarten wohl passender gewesen. Denn Andy hat mal Brauereiwesen studiert – in Weihenstephan. Und anschließend International Business in Pforzheim und an der USC Columbia/USA.

 

Mit diesen Voraussetzungen standen dem gebürtigen Allgäuer alle Türen zu einer großen Karriere offen. Er ging hindurch – und startete im damals größten Brauerei- und Getränkekonzern Deutschlands. Er bereiste für zwei weitere globale Konzerne fast die ganze Welt und war das, was man „erfolgreich“ nennt.

 

Wie das so ist im Leben: es geht auch mal bergab. „Ich wurde vom Vorstandsvorsitzenden meiner letzten Firma an meinem Chef vorbei befördert, und das konnte er natürlich nicht zulassen“, erzählt Andy, und man merkt ihm seine Frustration noch ein klein bisschen an. „Kurzerhand wollte er mich loswerden, glücklicherweise mit einem Aufhebungsvertrag und entsprechender Abfindung.“

 

Da gleichzeitig auch privat eine große Veränderung, nämlich eine Scheidung, anstand, nutzte Andy die Chance, seine Zelte in Deutschland abzubrechen. „Ich siedelte 1999 nach Kuba um, dort lässt es sich gut und günstig leben, die Menschen sind noch Menschen und die Sonne scheint jeden Tag“, so Andy, nun mit leuchtenden Augen.

 

Die Suche nach der Neuen Arbeit

 

Kuba stellte sich tatsächlich als ideale neue Heimat heraus. Bald entdeckte Andy dort die einzige kubanische Steel-Drum-Band und wurde deren Manager. Andere Bands folgten, es kamen Einladungen von europäischen Hotelketten und so tat Andy das, was er vorher auch schon tat: er eroberte die Welt, dieses Mal nicht mit Bier sondern mit Musik.

 

Von Anfang an war Andy im neuen Lebensabschnitt auf der Suche, nach einer besseren, neueren Art zu arbeiten. Seine extremen Erfahrungen hatten ihn sehr geprägt und er war sicher: „Da muss es was anderes geben.“ Erst im Jahr 2014 entdeckte er das Buch „Neue Arbeit – Neue Kultur“ von Frithjof Bergmann. „Ich habe es regelrecht verschlungen und war so dankbar, dass ich das Buch und Frithjof gefunden hatte.“

 

Andy setzte sich hin und formulierte einen Brief an Frithjof, den er per E-Mail verschickte. „Ich habe 2 Wochen gebraucht, um das in Worte zu fassen, was ich sagen wollte. Als Betreff habe ich geschrieben Ministerium für Neue Arbeit auf Kuba.“

 

Frithjof Bergmann war schneller: Noch in derselben Nacht antwortete er – und das war der Beginn einer engen Zusammenarbeit, aus der eine Freundschaft geworden ist.

 

Ganz und gar nicht alternativlos

 

Seither arbeiten Andy und Frithjof gemeinsam mit weiteren Kollegen intensiv daran, New Work Global zu etablieren. Und zwar wirklich, wirklich New Work, so wie es Frithjof seit den 1970ern praktiziert.

 

Es geht um uns alle – und ums System

 

Andy gibt offen zu: „Frithjof und ich haben immer wieder das Gefühl, dass viele, die über New Work reden oder schreiben, Frithjofs Buch nur überflogen haben. Oder sie haben es gar nicht gelesen. Das ist schade, denn das Buch gibt eine ganz konkrete Anleitung, wie wir Neue Arbeit wirklich, wirklich leben können.“

 

Es kann auch sein, dass einige, die das Buch gelesen haben, das Gesamtkonzept noch nicht verstehen, dadurch überfordert sind und sich fragen: „Wie soll ich denn da hin kommen? Was kann ich denn überhaupt machen?“ Also tun sie nichts.

 

Oder sie definieren Neue Arbeit (New Work) einfach so, wie es leichter geht: Man schraubt ein bisschen rum, macht Dinge hübscher und angenehmer und versucht so, die „milde Krankheit Arbeit“, wie Bergmann es nennt, irgendwie auszuhalten – so wie eine Erkältung, die immer latent da ist. All die Ideen, die man heute hat, wie zum Beispiel 4-Tage-Woche, flexibles und agiles Arbeiten, schicke Büros, bezeichnet Bergmann gerne als „Lohnarbeit im Minirock“.

 

#NewWorkForFuture

 

„Als Frithjof als Philosophie-Professor vor rund 40 Jahren begann, sich mit dem Thema Arbeit intensiv zu beschäftigen, erklärten ihn seine Uni-Kollegen für verrückt und rieten ihm dringend davon ab“, weiß Andy. „Doch Frithjof ließ sich nicht davon abbringen. Seine fast 2 Jahre Erfahrung als Selbstversorger im Wald von New Hampshire hatten ihn tief geprägt. Er erkannte, dass Arbeit unendlich ist. Und dass sie den Menschen dienen sollte, nicht umgekehrt.“

 

„Arbeit kann uns verkrüppeln und uns sogar umbringen, aber das ist nur eine Möglichkeit. Arbeit vermag uns auch Energien zu schenken, die zu besitzen wir uns nie hätten träumen lassen…“

 

 

„Das Ziel der Neuen Arbeit besteht nicht darin, die Menschen von der Arbeit zu befreien, sondern die Arbeit so zu transformieren, damit sie freie, selbstbestimmte menschliche Wesen hervorbringt.“

 

Wenn es also die Lohnarbeit ist, die der Fehler im System ist, was können wir alle tun, um die Neue Arbeit gemeinsam zu schaffen?

 

Auf diese Frage hat Andy Antworten:

  • Das Buch Neue Arbeit – Neue Kultur lesen.
  • Über New Work im passenden Kontext sprechen, Menschen informieren und sie dazu inspirieren, über den Tellerrand der hippen Begriffe hinaus zu schauen.
  • Aktualisierung November 2020: Auf der Seite New Work New Culture stöbern und mit den Mitwirkenden in Verbindung treten.
  • Die Gründung eines Zentrums für Neue Arbeit in Deutschland initiieren und/oder unterstützen. Aktualisierung November 2020: Es gibt jetzt ein Zentrum für Neue Arbeit in Berlin.
  • Für New Work Global Kontakte zu Politikern, der Presse oder zu engagierten Macherinnen und Machern herstellen.
  • Bei dir selbst beginnen: Zu erkennen, dass du dich selbst (noch) nicht vollkommen kennst, ist der erste und wichtigste Schritt.

„Frithjof freut sich über jeden weiteren Ansatz (egal, in welchem Land), den Menschen genau diese Unterstützung zu geben“, bestätigt Andy Mayer und fügt hinzu: „Die Menschen sind so geil, und Frithjof und ich haben die Hoffnung, dass wir den Funken in den Menschen entzünden können.“

Ganz einfach kannst du übrigens weitermachen, indem du im E-ssay „Die Wahrheit über New Work“ tiefer einsteigst:

Mehr zum Thema "New Work"

Diesen Artikel findest du in seiner vollständigen Version und mit allen "Geheimnissen" im E-ssay "Die Wahrheit über New Work." Dort beleuchtet Gabriele Feile, wie "Neue Arbeit" wirklich gemeint ist und wie daraus eine "Neue Kultur" werden kann. Die Voraussetzung ist: Menschen kennen sich selbst so gut, dass sie wissen, was sie wirklich, wirklich wollen.

Frithjof Bergmann kam am Heiligabend, also am 24. Dezember 1930, zur Welt und verließ sie am 23. Mai 2021 - einem Pfingstmontag. Welch passende Zeitmarkierungen für ein erlebnis-reiches Leben.

Es geht mir ans Herz, dass ich mein E-ssay "Die Wahrheit über New Work" bei Erscheinen im November 2020 ihm, seiner Vision und seinem Lebenswerk gewidmet habe.

In den Kreis der Nachrufschreibenden möchte ich mich nicht einreihen. Stattdessen werde ich weiterhin New Work by Frithjof Bergmann mit der Welt teilen.

Über den Klub der Kommplizen:

Sobald echte Kommplizinnen und Kommplizen zusammen kommen, passiert etwas Magisches: Ihre Talente, ihre Beherztheit und ihre Schaffensfreude verschmelzen. Sie vollbringen Dinge, die atemberaubend und weltbewegend sind.

Alles zum Klub der Kommplizen 

Über Gabriele Feile:

Gabriele ist angekommen und sieht eine Welt voller Schmetterlinge. Sie ist sich sicher: Je mehr Menschen so sind, wie sie gedacht sind und tun, wofür sie gemacht sind, desto ausgeglichener ist die Welt. Dafür baut sie Brücken.

Mehr zu Gabriele

Über Andy Mayer:

Andy lebte viele Jahre auf Kuba und in der Karibik. Seit seiner Freundschaft und gemeinsamen Arbeit mit Frithjof Bergmann allerdings in München, sodass man ihn dort auch persönlich treffen kann. Er versucht mittels New Work Global eine weitreichendere, viel größere Bekanntheit der Philosophie und die Realisierung der Vision zu erreichen und ist somit quasi Frithjof Bergmanns Kommplize.

Andy ist offen für Kontakte zu wirklichen New-Work-Unterstützern, sei es aus Politik, Wirtschaft, Medien oder Gesellschaft. Kontaktiere ihn direkt über die Website, wenn du mehr wissen oder konkret etwas tun willst:

Zur Website von New Work Global

Über Frithjof Bergmann:

Der Philosoph Frithjof Bergmann wurde in Sachsen geboren und wuchs in Österreich auf. Freiheit war schon immer sein Hauptantrieb. Schon mit 19 Jahren wanderte er nach Amerika aus und führte ein bewegtes Leben, in dem er alle möglichen Formen der Arbeit kennenlernte. Er hat seit den 1970er Jahren Unternehmen, Regierungen, Gewerkschaften und Kommunen zur Zukunft der Arbeit beraten und außerdem Projekte mit Jugendlichen und Obdachlosen in unterschiedlichen Ländern erfolgreich umgesetzt.

Frithjofs Interview bei der New Work Experience 2017: Armut der Begierde – Was willst du wirklich wirklich

Frithjofs Interview bei der New Work Experience 2018: Was ist authentisches New Work – Wie funktioniert High-Tech-Self-Providing (privater 3D-Druck), zusammen mit Andreas Gebhardt, FH Aachen – Wer wirklich bewegt in Unternehmen

Podcast: On the way to New Work 2019: Rundumschlag und Überraschendes

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