Ich bin gerne Vorbild – aber Vorlage will ich nicht sein!

 

Es fing in meiner Kindheit an: Wenn meine Cousine das gleiche Kleid anhatte wie ich. In derselben Farbe. 2 Tage nachdem sie es bei mir gesehen hatte. Das machte mich wahnsinnig und ich hatte keine Lust mehr, das Kleid zu tragen.

Klar, so was kann man nicht vermeiden. Irgendwer wird immer das gleiche Kleid haben, wenn man nicht nur selbst Genähtes oder Maßkleidung trägt. Es macht mir auch nichts aus, wenn die Kaufentscheidungen unabhängig voneinander getroffen wurden. Wenn es aber klares Nachmachen ist, finde ich das einfach nur blöd.

 

Kreativität ist teuer

 

Heute trifft mich das immer dann, wenn es um kreative Dinge geht. Wer kreativ arbeitet, weiß, dass brilliante Konzepte, Ideen und Lösungen nicht einfach so kommen. Sie sind in der Regel das Ergebnis von vielen Versuchen, vielen Erlebnissen und dem Mixen von vielen gemachten Erfahrungen. Außerdem steckt immer, und ich meine immer, viel Arbeit dahinter, wenn man etwas Neues präsentiert. Schweiß, Blut und Tränen, um genauer zu sein.

Und dann kommt jemand daher und übernimmt es einfach, ohne mit der Wimper zu zucken, und ohne zu fragen. Der Text, an dem man wochenlang gefeilt hat, wird kopiert. Oder der ganz spezielle Wortlaut, den man sich für seine Vision / sein Motto / seine Position ausgedacht hat (unter Zuhilfenahme von Duden, Thesaurus-Seiten und viel Hirnschmalz) taucht auf einer anderen Website auf.

Ich fühle mich dabei jedes Mal verarscht, besonders bei Bekannten oder Freunden, denen ich solche Sachen im Vertrauen zeige. Denn das untergräbt mein Können, meine Kreativität und meine harte Arbeit. Ganz abgesehen davon, dass es urheberrechtlich nicht erlaubt ist, etwas abzuschreiben oder zu kopieren. Da gibt es einige ehemalige Politiker, die das bestätigen können. Und außerdem: so etwas gehört sich nicht.

Man kann ja wenigstens fragen, ob es in Ordnung ist, wenn man ein ähnliches Logo, dieselbe Farbe oder das gleiche Layout benutzen will. Auf respektvolle Anfragen reagiere ich in der Regel freundlich und zustimmend. Auf Kopieren eher nicht!

 

Wo die Musik spielt

 

Komponisten und Texter kennen sich mit den Rechten für ihre Werke aus. Wer ein Musikstück nutzen und es zum Beispiel öffentlich spielen will, muss die Nutzungsrechte von den Erschaffern erwerben. In Deutschland ist die GEMA dafür zuständig. Selbst Radiosender müssen der GEMA die Rechte abkaufen und zum Beispiel jeden Song, den Sie spielen, rechtmäßig kaufen. Es gibt sie also noch die Archive, in denen Tonträger gelagert werden.

Will ein Künstler einen Song covern, also in neuer Version aufnehmen und veröffentlichen, muss er die entsprechenden Rechte erwerben – das geht auch über die GEMA. Und wer ein Musikstück verändern will, braucht die Erlaubnis der Erschaffer.

Selbst wer nur Teile eines Liedes (zum Beispiel einen Melodieteil) nutzen will, muss vorab alle Rechte besorgen. Pharell Williams und Robin Thicke haben das versäumt, und das kam ihnen, bei ihrem Erfolg Blurred Lines, teuer zu stehen. Die Familie von Marvin Gaye wollte viel Geld von ihnen und bekam vor Gericht recht.

 

Unter den Menschen gibt es viel mehr Kopien als Originale.“ Pablo Picasso

 

Damit das klar ist

 

Ich mag es sehr gerne, wenn Leute mir erzählen, sie wären durch mich inspiriert worden, irgend etwas zu kreieren. Das freut mich wirklich von Herzen. Aber: ich finde es wichtig, dass jeder selbst denkt und macht und ganz eigene Werke erschafft. Denn: wir alle sind Originale – und diese sind immer besser als billige Plagiate.

Als Vorbild halte ich gerne her, aber bitte nicht als Vorlage!

Deine Kommplizin Gaby Feile

PS: Wenn du ein Original bist, bist du übrigens unersetzlich.

Über die Kommplizin:

Gaby Feile findet, dass wir alle einzigartig sind und das ist gut so. Sie mag es aber auch, mit anderen zusammen etwas zu kreieren, zum Beispiel mit ihren Kommplizen.

Mehr über Gaby Feile

 

 

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