Wie wirksames Recruiting funktionieren kann

 

(Und was die Suche nach neuen Mitarbeitern mit der Partnersuche gemeinsam hat.)

 

Doris Teping, die Direktorin der Gästeresidenz PelikanViertel Hannover, kenne ich, seit sie an meinem Workshop zum Thema „Recruiting für Hotels“ teilgenommen hat. Als Chefin eines Boardinghouse jongliert sie täglich mit vielen Anforderungen. Mit ihrem fantastischen Team schafft sie es, „ihr Haus“ ganz individuell und persönlich zu führen – und ihren Gästen buchstäblich ein zweites Zuhause zu sein.

Im Interview berichtet Doris Teping davon, wie sie es schafft, passende Mitarbeiter für ihr ganz spezielles Hotel zu finden – mit Recruiting-Methoden, die wirken.

Gaby Feile (GF): Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, meine Fragen zu beantworten, Frau Teping. Fangen wir doch mit dem Schwierigsten an:

Auf welche Herausforderungen stoßen Sie beim Suchen und Finden von Mitarbeitern?

Doris Teping (DT): Oops. Tricky. Ihre Frage ist schon eine kleine Herausforderung in sich, Frau Feile… Der gezielten Suche und dem Finden geht ja ein mächtiger Prozess der Selbst-Reflektion als Betrieb voraus. Mit Fragen wie: „Wer sind wir eigentlich?“ „Wie ticken wir hier?“ „Wie werden wir wahrgenommen?“ „Worin unterscheiden wir uns zu anderen?“ „Was bieten wir unseren Mitarbeitern? „Worauf legen wir Wert?“ „Was sollte unserem Kollegen wichtig sein?“ „Was ist unseren Gästen wichtig?“ „Und wo finden wir die Mitarbeiter, die zu uns passen?“

Irgendwie ist es mit der Suche nach neuen Mitarbeitern ja ein bisschen so als ob man auf der Suche nach der großen Liebe ist. Man begibt sich auf den „Markt“ mit einem Wunschbild, hat genau formuliert wie er oder sie sein sollte oder wie besser nicht.

Die Gästeresidenz PelikanViertel begeistert als Boardinghouse nicht unbedingt den klassischen Hotel-Karrieristen. Zudem sind wir keine bekannte Marke – aber wir sind markant! Wir sind ein kleines, feines Team, sind alles Profis, haben Spaß an dem, was wir tun, sind offen für Vieles und agieren als Mitunternehmer – gut gelaunt und in Jeans.

Zu unseren größten Herausforderungen zählt es daher, die Aufmerksamkeit in der breiten Hotellandschaft für unser Haus zu gewinnen und herauszustellen, warum es sich lohnt bei uns anzuheuern.

Und ist es nicht so, Frau Feile? Erfahrungsgemäß trifft man die große Liebe meistens nicht aufgebrezelt beim Speed-Dating, sondern eher unverhofft, wenn man gerade ungeschminkt im Supermarkt um die Ecke steht. (lacht)

GF: (Lacht mit) Im Dezember haben Sie mit einer besonderen Stellenanzeige Aufmerksamkeit erregt. Wie kam es dazu und was war Ihr konkreter Wunsch?  

DT: Für unser Empfangsteam suchten wir einen neuen Teamplayer. Und da wir mitten im Advent waren und Weihnachten vor der Tür stand, bot es sich an, diesen Wunsch gleich mit auf die Liste für den Weihnachtsmann zu schreiben…

Nein, mal im Ernst: Für den Empfangsbereich gute und qualifizierte Leute zu finden, ist heute generell – aufgrund des Schichtdienstes bei 24 Stunden Öffnungszeit – nicht ganz so leicht. Und wenn’s dann auch noch ein ganz besonderer Typ Mensch sein soll, wird’s halt doppelt schwer. Alle diese Faktoren haben dazu beigetragen diese Stellenanzeige an eine „übergeordnete Instanz“ zu richten.

Und so sah diese Anzeige aus:

 

GF: Welche Reaktionen haben Sie denn auf Ihre Anzeige erhalten? Und am Wichtigsten: Welche Bewerbungen?

DT: Die Reaktionen auf dieses Inserat waren durchweg positiv. Ob nun in Form von Likes oder Kommentaren auf unseren Social Media Kanälen oder in den sich anschließenden Interviews.

Die Bewerbungen als solches – und wir haben doch einige erhalten – variierten wiederum in der ganzen Bandbreite: vom lieblos formulierten Standardvordruck bis hin zum wirklich einzigartig verfassten und auf die Anzeige abgestimmten Anschreiben. Dreimal dürfen Sie raten, den Verfasser welcher Variante wir sofort zum Gespräch eingeladen haben!

 

Diese außergewöhnliche Bewerbung flatterte unter anderem ins Haus:

 

GF: In der Zwischenzeit haben Sie sich für eine Mitarbeiterin für die offene Stelle entschieden. Erzählen Sie mal, wie das lief!

DT: Nach dem Lesen dieses Bewerbungsschreibens (an einem Freitag) folgte unmittelbar und sofort der Griff zum Telefonhörer. Da hatte jemand wirklich aufmerksam unsere Anzeige gelesen, sich über die Gästeresidenz PelikanViertel informiert und ist auf all‘ die Dinge eingegangen, die uns wichtig sind. Wenn das nicht passt, was dann?

Die junge Dame hatte praktischerweise für den Montag darauf bereits eine Fahrt nach Hannover geplant und so verabredeten wir gleich einen Termin für ein Interview. Im eigentlichen Vorstellungsgespräch stellte sich dann – ziemlich schnell – die Chemie auf beiden Seiten her, die die Basis für ein gutes Arbeitsverhältnis bildet. Sie hat am 1. März ihre neue Stelle bei uns angetreten und wir freuen uns, dass sie da ist. Ach ja: Sie zog es übrigens der Liebe wegen in den Norden.

GF: Na, das klingt ja nach einem echten Happy End für alle Beteiligten! Wie läuft denn der Bewerbungsprozess bei Ihnen eigentlich ab?

DT: Ich habe für uns die Erfahrung gemacht, dass sich sowohl einige „Klassiker“ im Bewerbungsgespräch als wiederum auch außergewöhnliche, auf unser Haus gemünzte, vielleicht etwas ungewöhnlich erscheinende Fragen/Fragetechniken oder kleine Tests bewährt haben. Außerdem nehmen wir uns viel Zeit für ein Interview, zeigen den Betrieb und natürlich den zukünftigen Arbeitsplatz und – je nachdem um welche Abteilung es sich handelt – laden wir auch schon mal zu einem zweiten Gespräch mit dem ganzen Team ein. Auch ein „Schnuppertag“ ist nach wie vor noch sehr hilfreich bei der gegenseitigen Entscheidungsfindung.

GF: Welche Tipps können Sie anderen Unternehmen geben, damit diese passende Mitarbeiter finden?

DT: Schwierig zu beantworten – Recruiting ist ein ziemlich weites Feld, Frau Feile. Und noch dazu bin ich kein klassischer Personaler, will sagen: das ist nicht mein schwerpunktmäßiges Fachgebiet.

Beim ersten Schritt, der schriftlichen Ansprache von potentiellen Mitarbeitern in einer Stellenanzeige, stelle ich persönlich oft fest, dass sich zu wenig in die Leserseite versetzt wird. Es ist wichtig, mehr Empathie für Bewerber zeigen. Ich kann mich hier nur wiederholen und darauf verweisen, was ich eingangs schon über die Sache mit der Reflektion gesagt habe. Wenn ich das Spiegelbild finden möchte, dann muss ich preisgeben wer ich bin und nicht nur mit Floskeln arbeiten.

Auch Kleinigkeiten fehlen oft, wie zum Beispiel der Name des Ansprechpartners an den die Bewerbung gehen soll. Man sollte nicht nur Aufgaben sondern auch Vorteile „aufzählen“, die Sprache der Zielgruppe verwenden und mehr Menschlichkeit hineinschreiben. Denn es ist immer noch ein People’s Business in dem wir arbeiten – und das nicht nur vor und hinter der Rezeption.

GF: Wow, Frau Teping das war ja eine ganze Menge Information. Sie haben sehr deutlich gemacht, was Ihre Strategie ist, auch wenn Sie keine „richtige“ Personalerin sind. Bestimmt können viele Leser von Ihren Tipps profitieren und werden hoffentlich von Ihren sprudelnden Ideen und mutigen Umsetzungen angesteckt. Noch einmal vielen Dank für dieses Gespräch und weiterhin viel Freude und Erfolg.

 

Hinweis: Um das Interview besser lesbar zu machen, wurde hier jeweils die männliche Form von Substantiven gewählt. Weibliche Bewerber und Mitarbeiter sind natürlich ausdrücklich mit angesprochen.

Alle Fotos und Grafiken wurden von der Gästeresidenz PelikanViertel zur Verfügung gestellt.

 

Wer mehr über die Gästeresidenz PelikanViertel erfahren will, schaut am besten auf der Internetseite vorbei und wird dort einen bekannten Boardinghouse-Gast entdecken, dessen Geist in der Gästeresidenz allgegenwärtig ist. Er hat sogar einen eigenen Blog, wo er über Hannover und darum herum berichtet. Und um immer mitzubekommen, welche Stellen gerade frei sind und was sich sonst so Tolles tut, ist die Facebook-Seite absolut empfehlenswert.