Führungslos am Tegernsee

Oder: Wie man den Kilimandscharo besteigt

 

Es war der bisher heißeste Tag des Jahres. Morgens, als die rund 50 Mitarbeiter:innen den Zug Richtung Tegernsee bestiegen, konnten sie die Temperaturen noch einigermaßen aushalten. Wasserflaschen waren verteilt worden, und die Bekleidung der Ausflügler:innen war leger und sommerlich.

 

Ihr Ziel: Eine Hütte auf einem der Tegernseer Hausberge. Der Zweck des Ausflugs: Die Gemeinschaft stärken und Spaß haben – mit Bewegung und gutem Essen.

 

In Tegernsee angekommen suchten alle einen Platz im Schatten und warteten auf Anweisungen. Diese kamen nur bruchstückhaft. Zumindest schienen irgendwann alle zu wissen, zu welcher Hütte es ging. Man setzte sich also in Bewegung Richtung Berg. Schnell bildeten sich Gruppen, allerdings ohne erkennbare Ordnung und ohne erkennbare Führung.

 

Aufstieg ohne Routenplanung

 

Noch vor dem ersten Anstieg, löste sich eine Gruppe vom Rest des Feldes. Es hieß, sie hätten Hunger und wollten erst mal in der nahe gelegenen Brauerei Rast machen. Weil einige der obersten Führungspersonen dabei waren, gab es keinen Einwand aber einige „Mitläufer“.

 

Die anderen wanderten straff in Richtung Wald, hin und wieder erfuhr man, welchem Wanderzeichen man folgen sollte. Diese Informationen wechselten allerdings. Anscheinend gab es mehrere Wege zum Ziel mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Welche Route welche war, erfuhr man nicht.

 

Alle schien nur daran zu denken, wie sie selbst am schnellsten zur Hütte kamen.

 

Aussicht traumhaft – Stimmung verhalten

 

Nach durchschnittlich ca. 2 Stunden erreichten die meisten Wandernden das Ziel – eine Hütte mit Terrasse und traumhafter Aussicht über das Tal. Wer oben ankam, schüttete zunächst Unmengen von Flüssigkeit in sich hinein, machte die obligatorischen Fotos und setzte sich dann an den Tisch, um die wirklich exzellente Brotzeit zu vertilgen.

 

Die Ankunft der Truppe erfolgte in Etappen. Die Stimmung war komisch, besonders als die Letzten erschienen. Und als wenige Minuten darauf die Ersten schon wieder aufbrachen (manche, weil sie Kopfschmerzen, andere weil sie keine Lust mehr hatten), trug das auch nicht gerade zur Stimmung – und zum eigentlichen Ziel des Gemeinschaftssinns – bei.

 

Am nächsten Arbeitstag war der Ausflug abgehakt und schnell vergessen.

 

Training für den Kilimandscharo

 

Ein anderes Unternehmen, ein anderes Team: der Geschäftsführer und seine Azubis haben sich vorgenommen, den Kilimandscharo, den höchsten Berg Afrikas, zu besteigen. Wer dabei sein wollte, bewarb sich vorab und erklärte, warum. Gleichzeitig verpflichteten sich alle Teilnehmer natürlich, sich vorzubereiten. Denn ohne Training schafft man das nicht.

 

Bald sollte der erste Praxistest folgen. Die Truppe bestieg, gemeinsam mit ihrem Bergführer, den höchsten Berg Deutschlands, die Zugspitze. Früh morgens ging es los – bei eisigen Temperaturen. Die Teilnehmenden waren bestens vorbereitet und ausgestattet. Vor dem Start überprüften alle nochmals ihr Equipment – auch gegenseitig. Ein Satz des Bergführers fiel dabei öfters: „Wenn irgendetwas während des Aufstiegs nicht passt, sofort melden! Wer das nicht tut, gefährdet die ganze Truppe!

 

Deshalb gab es, wie bei solchen Expeditionen üblich, auch eine klare Rollenverteilung: Wer geht vorne weg, wer macht die Nachhut und wer ist wofür verantwortlich. Und natürlich sicherten sich alle gegenseitig.

 

Sie schafften es und kamen überglücklich und adrenalingeschwängert auf dem Gipfel an. Das war der erste große Erfolg, den die jungen Menschen spürten. Und ja: sie erklommen ein paar Monate später auch den Kilimandscharo.

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