Führungslos am Tegernsee

Oder: Wie man den Kilimandscharo besteigt

 

 

Es war der bisher heißeste Tag des Jahres. Morgens, als die rund 50 Mitarbeiter den Zug Richtung Tegernsee bestiegen, konnte man die Temperaturen noch einigermaßen aushalten. Wasserflaschen waren verteilt worden, und die Bekleidung der Ausflügler war leger und sommerlich.

 

Ihr Ziel: Eine Hütte auf einem der Tegernseer Hausberge. Der Zweck des Ausflugs: Die Gemeinschaft stärken und Spaß haben – mit Bewegung und gutem Essen.

 

Im Zug fanden sich 5er-Gruppen zusammen, um das Bayern-Ticket gemeinsam zu nutzen. Dabei fiel auf: nicht alle waren mit im Zug. Es gab welche, die mit dem Auto fuhren, weil sie körperliche Einschränkungen hatten. Der Geschäftsführer fuhr, aus nicht näher bekannten Gründen, ebenfalls mit dem Auto.

 

In Tegernsee angekommen suchten alle einen Platz im Schatten und warteten auf Anweisungen. Diese kamen nur bruchstückhaft. Zumindest schienen irgendwann alle zu wissen, zu welcher Hütte man aufstieg. Man setzte sich also in Bewegung Richtung Berg. Schnell bildeten sich Gruppen, allerdings ohne erkennbare Ordnung und ohne erkennbare Führung.

 

Aufstieg ohne Routenplanung

 

Noch vor dem ersten Anstieg, löste sich eine Gruppe vom Rest des Feldes. Es hieß, sie hätten Hunger und wollten erst mal in der nahe gelegenen Brauerei Rast machen. Weil einige der obersten Führungskräfte dabei waren, gab es keinen Einwand aber einige „Mitläufer“.

 

Die anderen wanderten straff in Richtung Wald, hin und wieder erfuhr man, welchem Wanderzeichen man folgen sollte. Diese Informationen wechselten allerdings. Anscheinend gab es mehrere Wege zum Ziel mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Welche Route welche war, erfuhr man nicht.

 

Je weiter die Gruppe voranschritt, desto weiter verteilten sich die einzelnen Wanderer. Die meisten folgten wohl unbewusst ihren Vorderleuten, auf Wanderzeichen achtete niemand. Die Richtung lautete: nach oben!

 

Die Hitze tat ihr Übriges: je nach Kondition gingen manche schneller, andere fielen zurück. Niemand fühlte sich dafür verantwortlich, dafür zu sorgen, dass keiner abgehängt wurde. Jeder schien nur daran zu denken, wie man selbst am schnellsten zur Hütte kam. Ob alle mithalten konnten, war wohl nicht Teil des Planes. Es war auch nicht klar, wen man wie informieren sollte für den Fall, dass jemand sich verletzte oder wer so praktische Dinge wie Pflaster bei sich hatte.

 

Aussicht traumhaft – Stimmung verhalten

 

Nach durchschnittlich ca. 2 Stunden erreichten die meisten Wanderer das Ziel – eine Hütte mit Terrasse und traumhafter Aussicht über das Tal. Jeder, der oben ankam, schüttete zunächst Unmengen von Flüssigkeit in sich hinein, machte die obligatorischen Fotos und setzte sich dann an den Tisch, um die wirklich exzellente Brotzeit zu vertilgen.

 

Die Ankunft der Truppe erfolgte in Etappen: zuerst waren die oben, die mit dem Auto kamen – logisch, dann folgten die Sportlichen und/oder Ehrgeizigen, nach und nach die mit weniger Kondition, zwischendrin der Geschäftsführer (über eine völlig andere Route) und zum Schluss die Gruppe der Hungrigen, die sich gleich am Anfang abgesetzt hatten.

 

Die Stimmung war komisch, besonders als die Letzten erschienen. Und als wenige Minuten darauf die Ersten schon wieder aufbrachen (manche, weil sie Kopfschmerzen, andere weil sie keine Lust mehr hatten), trug das auch nicht gerade zur Stimmung – und zum eigentlichen Ziel des Gemeinschaftssinns – bei.

 

Beim Abstieg war, wie schon beim Aufstieg, die ganze Gruppe zerstückelt. Am Bahnhof fanden sich zufällige 5-er-Gruppen zusammen und fuhren mit dem nächsten Zug Richtung Heimat. Wer diesen Zug nicht erwischte, wartete halt auf den nächsten. Am nächsten Arbeitstag war der Ausflug abgehakt und schnell vergessen.

 

Training für den Kilimandscharo

 

Ein anderes Unternehmen, ein anderes Team: der Geschäftsführer und seine Azubis haben sich vorgenommen, den Kilimandscharo, den höchsten Berg Afrikas, zu besteigen. Wer dabei sein wollte, bewarb sich vorab und erklärte, warum. Gleichzeitig verpflichteten sich alle Teilnehmer natürlich, sich vorzubereiten. Denn ohne Training schafft man das nicht.

 

Bald sollte der erste Praxistest folgen. Die Truppe bestieg, gemeinsam mit ihrem Bergführer, den höchsten Berg Deutschlands, die Zugspitze. Früh morgens ging es los – bei eisigen Temperaturen. Die Teilnehmer waren bestens vorbereitet und ausgestattet. Vor dem Start überprüften alle nochmals ihr Equipment – auch gegenseitig. Ein Satz des Bergführers fiel dabei öfters: „Wenn irgendetwas während des Aufstiegs nicht passt, sofort melden! Wer das nicht tut, gefährdet die ganze Truppe!

 

Er erklärte, dass jedes Scheuern im Schuh, jedes persönliche Unwohlsein und alles, was nicht „normal“ erschien, gemeldet werden musste! Denn: wer das, aus falschem Stolz oder Angst, nicht tut, wird zur Gefahr der ganzen Truppe. Nur wenn alle ohne Einschränkungen aufsteigen können, wird es das ganze Team schaffen! Deshalb gab es, wie bei solchen Expeditionen üblich, auch eine klare Rollenverteilung: Wer geht vorne weg, wer macht die Nachhut und wer ist wofür verantwortlich. Und natürlich sicherten sich alle gegenseitig.

 

Sie schafften es und kamen überglücklich und adrenalingeschwängert auf dem Gipfel an. Das war der erste große Erfolg, den die jungen Menschen spürten. Und ja: sie erklommen ein paar Monate später auch den Kilimandscharo. Gemeinsam, mit vereinten Kräften, wenn auch nicht ohne Blessuren. Aber das Gefühl, da oben zu stehen, war unbeschreiblich und hält bis heute, mehrere Jahre später, an! Sie alle, auch der Geschäftsführer, erzählen noch heute gerne von ihren gemeinsamen Erlebnissen.

 

Hand aufs Herz: bei welchem Team wärst du gerne dabei gewesen?

 

– will deine Kommplizin Gaby Feile wissen

 

Über die Kommplizin:

Gaby Feile weiß: Führen gibt Sicherheit. Und würde niemals ohne Vorbereitung einen Berg besteigen.

Mehr über Gaby Feile

 

 

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