Die Wikinger waren Eroberer. Selbstbewusst bestimmten sie den Kurs ihrer Schiffe – und ihres Lebens. Meere konnten gar nicht weit genug und Feinde nicht mächtig genug sein für die Männer aus dem Norden. Sie waren clever und mobil, und einer von ihnen, Leif Eriksson, genannt „der Glückliche“, entdeckte um das Jahr 1.000 Amerika – also 500 Jahre früher als Kolumbus.

 

Wenn man das weiß, dann erschließt sich ganz leicht, warum ihre Nachfahren, die Skandinavier, heute so neugierig, furchtlos und glücklich sind.

 

Fragen kostet nichts – und verändert alles

 

Skandinavier fragen gerne, einfach weil sie vieles interessiert und sie verstehen wollen, was ihr Beitrag zu einer Sache sein kann. Das macht deutsche Kollegen oder Chefs oft wahnsinnig. Bevor Skandinavier etwas machen, wollen sie genau wissen, warum sie es überhaupt tun sollten. Und es kann sein, dass sie es einfach sein lassen, weil es nämlich keinen Sinn ergibt in ihren Augen. Sie kommen dann mit einer besseren Idee daher.

 

Wer mit Skandinaviern arbeitet, sollte unbedingt in der Lage sein, sie zu inspirieren. Nordlinge folgen gerne großen Visionen und sind bereit ihren Beitrag dazu zu leisten. Aber halt nur, wenn alles für sie Sinn ergibt.

 

Weniger arbeiten – mehr gemeinsam schaffen

 

Das geht so: Menschen in Skandinavien arbeiten häufig nur 6 Stunden pro Tag, das gilt in diesem Fall als Vollzeit. Aber weil Männer und Frauen gleichermaßen in Vollzeit tätig sind, auch wenn sie Kinder haben, arbeiten sie als Gesamtheit viel mehr als wir Deutschen! Nachmittags finden keine Besprechungen mehr statt, und diese 6 Stunden sind sehr flexibel einteilbar.

 

Wenn die Tochter nachmittags Fußballtraining hat, ist der Vater dabei, weil er das Team nämlich trainiert. Dass er dafür früher den Arbeitsplatz verlässt, wissen alle und finden es total OK. Kinder gehen immer vor. Und der Vater erledigt dafür am Abend 2 Stunden Arbeit von zu Hause. Dasselbe gilt für diejenigen, die spezielle Angebote der Firma nutzen. Wenn freitags um 13 Uhr die Yoga-Stunde stattfindet, steht dieser Termin ganz öffentlich im Kalender. Für ein Meeting das Yoga absagen? Auf keinen Fall!

 

Freiheit unter Verantwortung

 

FRIHET UNDER ANSVAR – das ist der Ritterschlag, den Wikinger auch heute noch vergeben – an diejenigen, die sich der Freiheit als würdig erweisen.

 

Denn Skandinavier wissen: es gibt keine Freiheit ohne Verantwortung. Sie sagen: richtig frei sind wir, sobald wir unsere Freiheit auch nutzen – indem wir die Verantwortung übernehmen. Wer die Freiheit hat, Dinge so zu tun, wie er/sie es will, fühlt sich in Skandinavien der Aufgabe sehr verpflichtet.

 

Im Norden Europas ist das an der Tagesordnung, bei IKEA genauso wie auf Baustellen. Bauarbeiter überlegen und entscheiden gemeinsam, wie sie eine Mauer bauen. Von ihren Chefs kriegen sie lediglich die Aufgabe und das gewünschte Ergebnis. Das heißt, wer im Norden Menschen führt, bestimmt nicht, sondern moderiert, coacht und inspiriert. Denn freie Menschen lassen nicht über sich bestimmen. Sie führen sich selbst. Das kann so weit gehen, dass Skandinavier freiwillig auf große Teile ihres Gehalts verzichten, wenn es dem Unternehmen schlecht geht.

 

Diese Verantwortung macht die Menschen in Skandinavien nicht etwa mürbe. Nein, sie macht sie glücklich. Skandinavier gehören zu den glücklichsten Menschen der Welt. Auch und besonders bei der Arbeit.

 

Härter als gedacht

 

Wer jetzt denkt: juhu, so frei wie Pippi Langstrumpf wollte ich schon immer leben, dem sei gesagt: Freiheit kann verdammt hart sein. Autonomie klingt sehr verlockend, doch sie kommt mit einem hohen Preis. Die Verantwortung für seine eigenen Entscheidungen komplett zu tragen, das lernen wir in Deutschland nicht so selbstverständlich.

 

Wir wachsen in einem durchorganisierten System voller Regeln auf, in dem Respektspersonen schon im Kindergarten gehorcht werden muss. Während in Skandinavien Schülerinnen ihrem Lehrer ganz selbstbewusst widersprechen und seine Aussagen in Frage stellen, werden sie in Deutschland (im 21. Jahrhundert!) dafür noch mit „Vor-Die-Tür-Schicken-Samt-Klinkedrücken“ bestraft.

 

Jemand macht die Ansagen, so sind wir das gewohnt. Mit Verantwortung können wir folglich nicht immer so leicht umgehen, sie macht uns Herzklopfen und Bauchgrummeln. Wenn jemand anderes den Kopf hinhält, ist es halt leichter.

 

Wer also von selbstorganisierten Unternehmen träumt und gerne ohne Chefin oder unabhängig im Home Office arbeiten will, und große Ideen wahrmachen, tut gut daran, sich mit dem Thema Verantwortung zu erwärmen. Denn ohne geht es einfach nicht.

 

Ein Kreis, der sich schließt

 

Im Juli 2019 habe ich erstmals öffentlich erzählt, wie ich entdeckt habe, dass ich skandinavische Gene habe – und zwar richtig viele. Anfangs kam mir das unglaublich vor, aber mittlerweile fühlt es sich großartig an, zu den Nachfahren der Wikinger zu gehören. Und es erklärt so vieles: meinen Freiheitsdrang, meine Abenteuerlust, meine Freude daran, Fragen zu stellen (auch nach dem Warum), und meinen Wunsch nach einer besseren Welt!

 

Schau dir hier den knapp 5-Minuten-Film an und erfahre, warum das alles so gut zur Mission des Klub der Kommplizen passt und wie es ist, nach skandinavischem Vorbild zu arbeiten:

 

 

Ha det bra!

 

-sagt deine Kommplizin Gaby Feile

 

PS: Im Buch „Acht Stunden mehr Glück“ von Meike van den Boom lernst du die Skandinavier noch besser kennen. Sie geben uns Deutschen dort ziemlich hilfreiche Tipps, um beim Arbeiten glücklich zu sein.

 

Foto: https://www.flickr.com/photos/floeschen/3592321775

 

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