Warum „Ober sticht Unter“ bald ausgedient hat

 

Was haben Organigramme, Beurteilungsgespräche, Zielvorgaben, Eckbüros, Firmenwagen, Stempeluhren, Beförderungen, 5-Jahres-Pläne, Budget-Präsentationen, Protokolle und Reiserichtlinien gemeinsam?

 

Unternehmen, in denen es dies alles gibt, sind keine demokratischen Unternehmen. Denn: all diese Instrumente und Einrichtungen sind dafür da, um Unternehmen von oben nach unten zu „regieren“. Macht, Status, Titel spielen eine große Rolle. Es geht darum, Mitarbeitern etwas vorzuschreiben und/oder sie zu bevormunden. Man glaubt nicht, dass sie selbst denken können. Sie brauchen einen/n Vorgesetzte/n, der/die das für sie tut! Einfach gesagt: Ober sticht Unter.

 

In immer transparenter werdenden Zeiten sind Menschen immer besser informiert und wollen mitentscheiden, mitbestimmen, mitreden. Das ist eine sehr positive Entwicklung, zumal das auch heißt, dass sie ein Interesse haben, Dinge mitzugestalten. Und sind wir mal ehrlich: fachlich kennen doch die Mitarbeiter in der Regel ihr Gebiet viel besser als irgendwelche Bosse. Für Arbeitgeber ist das eine gute Nachricht. Wenn man weiß, wie man damit umgeht.

 

Und wie geht man damit um?

 

Es gibt in Deutschland, Österreich und der Schweiz immer mehr Unternehmer, die beschließen, Unternehmertum anders zu definieren. Ansätze für demokratische Unternehmen gibt es viele, wie diese Beispiele zeigen:

 

Innovativ: Agentur ohne Chefs

Das sind 30 Absolvent:innen in Berlin, die 2009 die Agentur „The Dark Horse“ gegründet haben – ganz ohne „echte“ Chefs. Alle Gründer und Gründerinnen waren von Anfang an gleichberechtigt. Weil sie aus 25 verschiedenen Disziplinen kommen und ganz unterschiedliche Dinge können, stellen sie je nach Auftrag Projektteams zusammen, die bei Projektende wieder aufgelöst werden. Sie beraten so erfolgreich viele Unternehmen, auch Dax-Konzerne, und helfen ihnen, radikal neue Produkte oder Prozesse zu entwickeln.

 

Immer gesichert: eigene Entscheidungen

Bei Allsafe Jungfalk, einem Spezialisten für Ladegutsicherung in Konstanz am Bodensee, gibt es schon lange keine Abteilungen mehr, genauso wenig wie Quartalsziele oder feste Meetings. Die Teams organisieren sich selbständig und Besprechungen werden spontan einberufen. Alle Mitarbeitenden können telefonisch ihr Material bestellen, ohne dass sie eine Erlaubnis brauchen. Denn: Die Entscheidungen fallen da, wo das Know-how steckt. Das funktioniert! Mitarbeiterzahl und Umsatz wurden in rund 15 Jahren vervierfacht, die Lieferzeit sank von 10 Tagen auf 24 Stunden.

Der Geschäftsführer, der vorher unter anderem bei Daimler gearbeitet hat, spricht mir aus der Seele, wenn er sagt: „Mitarbeiter wurden dort als Kostenfaktor, als humane Ressource gesehen, die man wie alle Ressourcen nach Gutdünken benutzen kann. Das war nichts für mich.“

 

Multitalente: Wer will darf führen

Haufe-Umantis in St. Gallen / Schweiz entwickelt und verkauft Talentmanagement-Software. Logisch, dass sie selbst dann auch ein guter Arbeitgeber sein wollen – und sind. Wer dort arbeitet hat weitreichende Gestaltungsmöglichkeiten: Wahl des Vorstandschefs und der Führungskräfte auf Zeit und Entscheidung über die Strategie des kommenden Geschäftsjahres. Vor einigen Jahren haben die Mitarbeitenden zum Beispiel den Verkauf von Umantis an Haufe beschlossen.

Wer eine Führungsposition haben möchte, bewirbt sich mit einem Konzept und stellt es dem Team vor. Die Teams organisieren sich, trotz Führungskraft, selbst. Feedback bekommen alle quartalsweise von ihren „Peers“, also von den direkten Kolleg:inneen, und nicht von Chef oder Chefin.

 

Tipp:

Im E-ssay „Selbstorganisation in Unternehmen“ von Gabriele Feile hat die Autorin zusammen getragen, wie demokratische Unternehmen funktionieren und wie nicht. Und herausgefunden, dass „Demokratie“ ein weiter Begriff ist. Außerdem plaudert sie erstmals aus dem Nähkästchen, wie in ihrem eigenen Unternehmen Klub der Kommplizen mit dem Anspruch der „Selbstorganisation“ gescheitert ist.

 

Demokratie im Kleinen

 

Schön und gut, sagst du jetzt vielleicht. Aber wie soll ich an meinem Arbeitsplatz mehr Demokratie leben? Muss die Erlaubnis dafür nicht „von oben“ kommen? Du merkst es: Das ist ein Widerspruch in sich.

 

Wie ich immer sage: Auf eine Genehmigung zu warten, um etwas zu ändern, kann ewig dauern. Oder wie das englische Sprichwort lautet: „Don’t ask for approval, ask for forgiveness.“ Erlaube dir einfach selbst, etwas zu ändern.

 

Hier sind in paar Anregungen, welche Themen du und deine Kollegen einfach mal demokratischer angehen könntet:

 

Meetings: Wer will teilnehmen, wie lange dauert es, was wird besprochen?

Arbeitszeiten: Wie organisiert ihr euch im Team?

Mitarbeitersuche: Wie könnt ihr bei der Auswahl mitreden?

Routineaufgaben: Was könnt ihr effizienter gestalten, was weglassen?

Kundenwünsche: Wie könnt ihr Kunden positiv überraschen?

Nervige Themen: Gibt es jemanden, der diese nicht nervig findet und gerne übernimmt?

Führung: Welche Führungsaufgaben können Teammitglieder, permanent oder zeitweise, übernehmen?

 

Mein wichtigster Tipp für alle Änderungen

 

Macht erst mal einen Testlauf: Fangt einfach in eurem direkten Umfeld an und probiert Dinge aus. Ihr braucht das nicht an die große Glocke zu hängen – nur wenn es erfolgreich ist. Aber dann bitte richtig laut!

 

Was fällt dir noch ein, wie man Demokratie im Unternehmen leben kann? Was hast du schon ausprobiert? Und was macht dein Arbeitgeber in diese Richtung?

 

Über den Klub der Kommplizen:

Wir schwingen auf der #Schmetterlingsfrequenz.

Wer vollkommen bei sich selbst ankommen will, nimmt sich Schmetterlinge als Vorbild: Sie ent-falten sich und zeigen der Welt ihre Farben beim Fliegen.

Als Anlauf und Startbahn sind Brücken ideal. Denn sie verbinden dich mit der #Schmetterlingsfrequenz. Und dort gibt es keinen hinderlichen Ballast mehr. Alles ist leicht, und du bist vollkommen du selbst.

Aktiviere deine Selbstfindung!

Über Gabriele Feile:

Gabriele ist angekommen auf der #Schmetterlingsfrequenz und erfüllt ihre Lebensaufgabe: Brücken bauen.

Sie ist sich sicher: Je mehr Menschen so sind, wie sie gedacht sind und tun, wofür sie gemacht sind, je ausgeglichener ist die Welt.

Gabriele fliegt voraus, blickt aus großer Distanz auf die Welt und kann scheinbare Gegensätze verbinden und Brücken zu unerreichbaren Orten bauen.

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